Vom Kleist-Museum auf Frankfurter bis zur Plastik des Käthchens von Heilbronn auf Slubicer Seite reicht die Kleist-Route, die Radfahrer um Oberbürgermeister Martin Wilke (parteilos) heute zurücklegen wollen. Sie führt unter anderem durch den Gertraudenpark, an die Konzerthalle, über die Oder und auch nach Kunowice (Kunersdorf), wo Heinrich von Kleists Onkel Ewald im August 1759 so schwer verletzt wurde, dass er schließlich starb. Auch die Reste des nach der berühmten Familie benannten Aussichtsturms am Rande von Slubice gehören zu den Stationen.
Die Route geht auf eine Anregung des Frankfurters Roland Totzauer zurück und wurde von Jörg Gleisenstein (Bündnis 90/Grüne) in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht. 2009 fassten die Abgeordneten einstimmig den Beschluss für die Route. Ziel sei es von Anfang an gewesen, auf dem Oder-Neiße-Radweg fahrende Radtouristen für Frankfurt zu interessieren, sagt Gleisenstein. "Wir wollen, dass sie nicht gleich weiterfahren zur nächsten Herberge, sondern auch eine Übernachtung in Frankfurt buchen." Rund 12 400 Radler haben nach Angaben des Tourismusverbandes Frankfurt durchquert; Gleisenstein berichtete von Erhebungen, denen zufolge die Radler von allen Touristengruppen "am meisten Geld in der Stadt lassen." Insofern sei es sinnvoll, sie auch zum Bleiben zu bewegen. Gleisenstein sprach von einem "kleinen Meilenstein" für den Frankfurt-Tourismus.
Erkunden können Einheimische wie Touristen den Weg anhand von Informationsschildern entlang der Route, auf denen in Deutsch und Polnisch etwas die Verbindung der Kleists mit dem jeweiligen Ort zu erfahren ist. Einen Überblick vermittelt zudem eine in einer Startauflage von 1000 Stück erschienene Broschüre. Darin sind neben den eigentlichen Sehenswürdigkeiten auch Restaurants und Cafés am Wegesrand aufgeführt. Abrufbar sind Informationen darüber unter anderem auch auf der Internetseite der Stadt und geplant ist auch die Herausgabe eines Flyers, der über die Route informiert.
Finanziert wurden Ausschilderung und Broschüre im wesentlichen mit EU-Mitteln, wie Wirtschaftreferent Sebastian Jaratowski berichtete. Die Gesamtkosten lagen nach seinen Worten bei rund 24 000 Euro. Er hob die Kooperation von Allgemeinem Deutschem Fahrradclub (ADFC), Frankfurt-Slubicer Kooperationszentrum, Stadtarchiv und den Stadtverwaltungen auf beiden Seiten der Oder für das Projekt hervor. Auch das Kleist-Museum war beteiligt. Dessen Direktor Wolfgang de Bruyn kündigte weitere Initiativen für Frankfurt-Besucher an, die auf den Spuren des großen Dichters und seiner Familie wandeln wollen.
Treff zur Radtour ist heute um 11 Uhr am Kleist-Museum in der Faberstraße.