Fahrten im Kanu oder Kajak von Grünen-Politikern stehen seit dem Kentern von Jürgen Trittin im vergangenen Jahr unter verschärfter Beobachtung. Das war auch der Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Europaparlament, Rebecca Harms, durchaus bewusst. In Polen angekommen, habe sie als erstes Trittin eine Nachricht geschickt, dass die Überfahrt unfallfrei verlief, sagte sie lächelnd. Anlass für die Paddeltour war der zehnte Jahrestag zur Osterweiterung der EU. Auch Ska Keller, Spitzenkandidatin der europäischen Grünen, und einigen polnischen Grünen war die Erleichterung anzusehen. Alena Karaschinski vom Ortsverband aus Frankfurt erklärte, dass diese Tour über die Oder durchaus Symbolcharakter haben soll. Gerade auch, weil Politiker aus beiden Ländern dabei sind. "'Wir sitzen alle in einem Boot' ist nicht nur auf die Paddeltour begrenzt." Zur Not wurden natürlich auch Helfer des DLRG organisiert, sagte sie zu den Europapolitikern, bevor es ins Wasser ging.
Nach dem Bootsausflug folgte noch ein Besuch beim Brückenfest, wo bis zum Abend nach Auskunft von René Wilke, Kreisvorsitzender der Linkspartei, die das Fest ausrichtete, insgesamt 20 000 Besucher gezählt wurden. Und die zeigten sich spendenfreudig: Insgesamt kamen 1200 Euro für benachteiligte Kinder aus Frankfurt und Tschernobyl zusammen. Auf dem Fest registrierte Wilke ein angesichts der bevorstehenden Wahlen steigendes politisches Interesse der Frankfurter. "Jedenfalls gab es mehr konkrete politische Fragen als sonst." Auch die Nazi-Demo war ein Thema. Mit einem großen Banner an der Stadtbrücke wurde gegen die Kundgebung an der Karl-Marx-Straße (siehe unten) protestiert. "Ansonsten wollen wir denen nicht mehr Wichtigkeit zugestehen als nötig", sagte Wilke. Neben den Linken hatten auch andere Parteien ihre Zelte beim Brückenfest aufgeschlagen. Der Strom von Interessierten riss auch bei Daniela Mory nicht ab. Einen Riesenberg von Kuscheltieren bewachte die Frau am Stand der Volksolidarität. "Die Volkssolidarität ist auch Träger einer Kita. Die Kuscheltiere werden von den Kindern gespendet und können am Glücksrad gewonnen werden. Die Eltern sind oft froh, wenn sie weg sind", sagte sie.
Stargast war ohne Zweifel Andrej Hermlin mit seinem Swing & Dance Orchestra. Auf dem Weg von New York nach Frankfurt/Main machte Hermlin einen Zwischenstopp an der Oder. Vor seinem Auftritt schlenderte er durch die Menge. "Frankfurt ist eine schöne Stadt, deshalb komme ich auch gern wieder", erklärte der Musiker im Plauderton.
Unschöne Nachricht am Rande: Nach Auskunft der Polizei hat ein 27-jähriger Mann einer Landtagsabgeordneten der Linken beim Brückenfest den Hitlergruß gezeigt. Er wurde in Gewahrsam genommen und erhält jetzt eine Anzeige wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Der Mann war stark alkoholisiert, die Polizei stellte einen Wert von 3,44 Promille fest.