Als die Wohnungswirtschaft vor einem halben Jahr verkündete, dass sie das Eckgebäude in der August-Bebel-Straße 29-32 und Maxim-Gorki-Straße 2-5 sanieren wird, freute sich ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung ganz besonders: Ulrich-Christian Dinse, Chef der Denkmalschutzbehörde. Der Anlass: Die Wowi hatte sich dazu verpflichtet, mit der Erneuerung des Hauses auch die teils bis zu 90 Jahre alten Kastendoppelfenster aufarbeiten und wieder einbauen zu lassen, statt sie durch moderne isolierverglaste Holzfenster zu ersetzen. Ein Punkt, der die Projektkosten nun von 5,3 auf etwa 6 Millionen Euro verteuert, und der deshalb lange diskutiert und abgewägt worden war.
"Die Fenster sind die Augen eines Hauses, insofern sind wir immer interessiert daran, dass sie erhalten bleiben", hatte Dinse damals erklärt. Freudig dürfte er festgestellt haben, dass der Ankündigung jetzt Taten folgen und - um im Bild zu bleiben - die Augen operiert werden. Den Zuschlag für die Aufarbeitung der alten Fenster hat die Frankfurter Tischlerei Netzker bekommen. Die Öffnungen im Haus wurden für die Zeit der Restaurierung mit Folie abgedichtet.
Die Fenstersanierung ist der erste Teil des Bauprojekts, das bis Frühjahr 2018 abgeschlossen sein soll. "Wir haben damit begonnen, weil sie sehr aufwendig ist und wir so nicht Gefahr laufen, den späteren Bauablauf zu behindern", sagt Projektleiterin Alrun Müller. Im Oktober 2017 sollen die ersten Wohnungen bezugsfertig sein, 51 werden es am Ende sein. Wowi-Chef Jan Eckardt spricht von einem "schönen Wohnungsmix für alle Altersgruppen in einer tollen Gegend". Geplant seien vier Einraumwohnungen (40 Quadratmeter), 28 Zweiraumwohnungen (50-70), neun Dreiraum- (70-85) und neun Vierraumwohnungen (90-120) sowie eine mit fünf Zimmern (130). Eckardt ist überzeugt von dem Projekt, "auch wenn das Haus kein Rendite-Objekt sein wird und wir froh wären, wenn wir hier bei geplant 6 bis 7,50 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter eine schwarze Null schreiben." Denn zum einen sei diese Rendite-Orientiertheit nicht zwingend Aufgabe eines kommunalen Unternehmens. Zum anderen sei die Sanierung des Hauses städtebaulich wichtig. "Und außerdem schließen wir mit den Wohnungsgrößen eine Angebotslücke. Denn die gibt es so in Frankfurt kaum", sagt er.
Das zeigt sich auch am Interesse der Frankfurter. "Die ersten Leute haben schon nach Wohnungen gefragt, weil sie sehen, dass gebaut wird", sagt Eckardt. "Aber wir wollen erstmal sehen, ob alle Grundrisse so funktionieren, und was uns sonst so für Überraschungen erwarten, schließlich wurde das Haus schon 1928 errichtet." Mit der Vermarktung wolle man deshalb erst Anfang 2017 starten.
Die Wohnungen sollen großzügig und hell sein. "Wir greifen damit die Idee des Bauherrn aus den Zwanzigerjahren auf", sagt Jan Eckardt. Alle Küchen und Bäder haben Fenster, in den großen Wohnungen gibt es sogar zwei Bäder. Standardmäßig dabei sind sowohl Dusche als auch Badewanne. "Geplant ist außerdem, dass die Bäder Fußbodenheizung haben, was in solchen Häusern sehr selten ist", sagt Eckardt. Weitere Pluspunkte. Alle Wohnungen werden einen Balkon haben. Neun müssen noch nachgerüstet werden. Und aus den allermeisten Wohnungen wird man sowohl auf die August-Bebel-Straße als auch auf den Innenhof schauen können, der zu einem Treffpunkt für Jung und Alt mit ausreichend Sitzgelegenheiten, Spielgeräten und viel Grün gestaltet wird.
Neben den Arbeiten an den Fenstern läuft derzeit die Entkernung des Gebäudes. Alte Leitungen kommen raus, neue werden verlegt. Zimmerer sind mit Holzschutzmaßnahmen beschäftigt und damit, Balken und den Dachstuhl auf Schwammbefall zu untersuchen. Und während in den beiden Obergeschossen die Dielung erhalten bleibt, wird sie im Erdgeschoss, wo der Boden naturgemäß mehr Kälte abstrahlt, gegen modernes Linolium ausgetauscht. Mitte November sollen alle geplant 20 Baufirmen unter Vertrag sein. "Wir setzten vor allem auf Unternehmen aus Frankfurt und der Region", sagt Jan Eckardt.