Die Plätze in der Studiobühne im Kleist Forum haben nicht ausgereicht beim Auftakt des Unithea Festivals am Montagabend. Das lag nicht nur daran, dass das Festival mit seiner 18. Ausgabe endlich volljährig geworden ist und dieser große Geburtstag gefeiert wird. Sicherlich hatte auch das Stück selbst einen Anteil daran, in dem die deutsch-polnischen Befindlichkeiten dargestellt wurden, wie man sie vielleicht auch öfter in den Grenzstädten aber auch an der Universität Viadrina erleben kann.
"Pfannkuchen, Schweine, Heiligenscheine" entstand nach einem Buch von Brygida Helbig, die heute Professorin am Collegium Polonicum ist und ihre Ausreise nach Westdeutschland im Jahre 1983 beschreibt. Wie etwa die polnischen Aussiedler einfach neue Namen bekommen, weil die richtigen für Deutsche unaussprechlich scheinen oder aber die unterschiedliche Begrüßung zwischen Deutschen und Polen. Hierzulande umarmt man sich höchstens ein klein wenig. In Polen wird auch mal herzhaft geküsst, obwohl man kein Paar ist. Die Zuschauer, egal ob Studierende oder Frankfurter, hatten jedenfalls ihren großen Spaß - deutlich zu hören am Schlussapplaus. Auch Universitätspräsident Wöll zeigte sich beeindruckt vom Festival und wird die nächsten Abende bei Unithea dabei sein, wie er am Rande beteuerte.
Eine der nächsten Gelegenheiten dafür sind die Asyl-Dialoge von der Bühne für Menschenrechte heute Abend. Seit 2012 ist dieses wortgetreue Theaterstück nach Interviews mit Flüchtlingen und engagierten Deutschen auf den Bühnen zu sehen. Auf Einladung kommt es nun zum ersten Mal auch nach Frankfurt. Im Zentrum stehen Biografien von Flüchtlingen und die Frage, warum sie ihre Heimat verlassen. Erzählt werden auch Begegnungen mit Deutschen, die sich für Asylbewerber einsetzen. "Diese Begegnung von Menschen mit und ohne Fluchterfahrung soll aufzeigen, was wir tun und wie wir helfen können", erläutert der Regisseur Michael Ruf sein Anliegen.
Am eindrücklichsten für ihn ist eine Passage des Stücks, in der von einer Osnabrücker Initiative erzählt wird, die bereits 30 Abschiebungen von Flüchtlingen verhindert hat. "Theater ist für uns Mittel zum Zweck, die Leute zu aktivieren", verdeutlicht Ruf die Strategie der Bühne für Menschenrechte, der er angehört. Nur betroffen zu sein, genüge eben nicht. Durch eine emotionale Darstellung mittels Schauspieler und Musik sollen die wahren Geschichten nachhaltiger auf die Zuschauer wirken. Zudem ist nach jeder Aufführung ein Gespräch mit Asylsuchenden und Aktivisten vor Ort geplant - so auch im Frankfurter Kleist Forum.
Die aktuelle Brisanz des Themas durch die Zunahme der Flüchtlingszahlen beeinflusst das Stück an sich nicht. Überhaupt begeben sich die Macher nicht in den Strudel der Aktualität. "Was wir an der Asylpolitik kritisieren, ist zeitlos", betont der Regisseur. Spätestens seit 1993, als das Grundgesetz geändert und das Recht auf Asyl massiv eingeschränkt worden sei, gebe es die Missstände.
Michael Ruf selbst hatte - wie er findet ironischerweise - keinen Zugang zu Flüchtlingen in seiner Jugend. "Im Studium habe ich mich dann mit Rassismus beschäftigt und es fiel mir wie Schuppen von den Augen", erinnert er sich. Seine größte Frage damals wie heute: Wie kann es sein, dass wir keinen Kontakt zu diesen Menschen haben?
Allein durch die Interviews, die er für das Stück geführt hat, sind die Kontakte nun selbstverständlich. Und das Stück ist gefragt wie nie. "Wir werden so viel eingeladen, wir kommen nicht mehr hinterher."