Nach dem Angriff auf den Frosch-Club am Sonntagmorgen stellte dessen Mitbetreiber Dirk Schöbe klar, dass er nicht 15 Minuten warten musste, bis sein Notruf von der Polizei entgegegenommen wurde. Nach wie vor laufen die Ermittlungen gegen zwei dringend Tatverdächtige und weitere Beteiligte auf Hochtouren.
Entgegen erster Darstellungen sitzt einer der beiden syrischen Männer, die am Sonntag nach dem Angriff auf den Club „Frosch“ festgenommen wurden, seitdem in der Justizvollzugsanstalt Wriezen in Untersuchungshaft. Wie Oberstaatsanwalt Ulrich Scherding am Mittwoch mitteilte lag gegen ihn bereits ein Haftbefehl wegen gefährlicher Körperverletzung, begangen Anfang August auf dem Platz vor Kaufland, vor. Der zweite vorläufig Festgenommene ist inzwischen wieder auf freiem Fuß. „Gegen ihn und weitere Beteiligte werden die Ermittlungen jedoch mit Hochdruck fortgesetzt“, so Ulrich Scherding. Ermittelt werde wegen schweren Landfriedensbruches und gefährlicher Körperverletzung.
Zudem sind inzwischen gleich zwei Staatsanwälte damit beauftragt, die zahlreichen Vorkommnisse und Verfahren aufzuklären, die sich in den vergangenen Monaten ereigneten und bei denen junge, männliche Asylbewerber tatverdächtig sind. Angefangen vom Angriff auf einen Kenianer im Lennépark im Mai, über den Gewaltausbruch auf dem Kauflandvorplatz im Juni bis zur Schlägerei vor dem McDonalds Anfang August und der jüngsten Attacke auf den Frosch-Club in den Gerstenberger Höfen. „Es handelt sich fast immer um Gewaltdelikte, also Bedrohung, Körperverletzung und Landfriedensbruch, sowie Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz“, sagt der Oberstaatsanwalt. „Wir fahren jetzt schwere Geschütze auf, einige Anklagen sind schon raus.“ Durch einen täterorientierten Ansatz solle Druck auf Verdächtige aufgebaut werden, die für mehrere Delikte in Frage kommen.
Ebenfalls am Mittwoch nahm der Mitbetreiber des Frosch-Clubs Dirk Schöbe seine Vorwürfe gegenüber der Polizei zurück, auf seinen Notruf nicht rechtzeitig reagiert zu haben. Interne Ermittlungen des Potsdamer Polizeipräsidiums ergaben, dass die Notrufe, die ab 2.55 Uhr eingingen binnen weniger Sekunden entgegengenommen wurden. Allerdings habe sich der Anrufer nicht gemeldet, sagte Stefanie Klaus, stellvertretende Pressesprecherin des Polizeipräsidiums. Auf Nachfrage der MOZ bestätigte Dirk Schöbe: „Ich war von der automatischen Ansage irritiert, dachte ich bin in einer Warteschleife und legte gleich wieder auf.“ Als der Einsatzbearbeiter den Anruf nach 16 bzw. 18 Sekunden entgegen nahm, war niemand am Telefon. „Erst beim sechsten Anruf um 2.59 Uhr blieb der Anrufer lange in der Leitung, um den Notruf abzusetzen“, sagte Stefanie Klaus. Neun Minuten später sei der erste Streifenwagen in den Gerstenberger Höfen eingetroffen. „Unsere Leitstelle hat funktioniert“, stellte die Polizeisprecherin fest.
„Unser aller Zeitgefühl hat an diesem Abend, in dieser Stresssituation vollkommen verrückt gespielt“, räumte Dirk Schöbe ein. Er sei erschüttert und fühle sich schuldig, einen falschen Eindruck von der Polizei erweckt zu haben. „Wir können uns nur entschuldigen und versuchen, das auf unserer Facebook-Seite richtig zu stellen“, sagte er. Rückblickend seien die Ereignisse vom Sonntag für ihn immer noch „kein zusammenhängender Film“, sondern viele einzelne Bilder. Auch das Gefühl der Anspannung und Erschütterung sei bei ihm nach wie vor präsent. Er bedankt sich aber auch für die Welle der Anteilnahme und Hilfsbereitschaft, die ihn und seine Partnerin Mandy Neborg am Montag erreichte. „Unsere Handy standen nicht still. Es gab Zuspruch von wildfremden Menschen, die sagten, sie wollen am nächsten Wochenende bei uns feiern.“ Angesichts dieser Unterstützung, hätten sie als Betreiber Mut gefasst, den Club am Freitag wieder zu öffnen. „Wir haben den gleichen DJ eingeladen und wollen die 90er-Party ab 23 Uhr ohne Zwischenfälle wiederholen“, sagte Dirk Schöbe.
Nach anderen Frankfurter Parteien hat sich am Mittwoch auch der AfD-Stadtverband zu den Vorkommnissen geäußert. „Es scheint sich herauszustellen, dass eine Gruppe zwischen 15 bis 40 Personen – in der Regel Asylbewerber – in Frankfurt Angst und Schrecken verbreiten und so die öffentliche Ordnung und Sicherheit dauerhaft in Frage stellen“, erklärte der Fraktionsvorsitzende Wilko Möller. Er forderte unter anderem einen Aufnahme- und Zuzugsstopp von Flüchtlingen in Frankfurt. Zudem forderte er die Justiz auf, das Instrument des beschleunigten Verfahrens zu nutzen, um Täter mit Bewährungsstrafen zu belegen. Asylbewerber, die die öffentliche Sicherheit und Ordnung außer Kraft setzen, will die AfD mit der Einziehung der Gesundheitskarte, der Einstellung von Integrationsfördermaßnahmen und zentraler Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften sanktionieren.