Ohne Waltraud Planeta wäre der Eisenbahner-Sportverein Frankfurt (Oder) 1948 (ESV)nicht denkbar. Als Schatzmeisterin und Wanderleiterin ist die 78-jährige gebürtige Frankfurterin seit Jahrzehnten unverzichtbar für den Verein. Am Montag erhielt sie dafür in Berlin die längst fällige Auszeichnung: Den Sportpreis des Verbandes Deutscher Eisenbahner-Sportvereine (VDES) - in "Anerkennung für langjährige verdienstvolle Arbeit im Eisenbahnersport", wie es auf der dazugehörigen Urkunde heißt. "Es ist eine Anerkennung, über die ich mich freue", sagt Waltraud Planeta. "Gewartet habe ich aber nicht darauf", ergänzt sie bescheiden.
Dabei hätte sie allen Grund, stolz auf ihre Verdienste für den ESV hinzuweisen. Mitglied ist sie bereits seit 1954, in den Verein kam sie über ihren Vater, einen Eisenbahner. Nach Stationen als Drogistin, als Verwaltungsmitarbeiterin bei der Genossenschaftsbank und Telefonistin in der Projektierung einer Hochbaufirma wurde sie 1984 vom damals noch BSG (Betriebssportgemeinschaft) Lokomotive heißenden Verein abgeworben. "Das Sportbüro hatte keine Bürokraft mehr, der ganze Schriftkram und die Erstellung von Statistiken hat alle vergrault", sagt Waltraud Planeta. "Aber ich liebe Statistik und meine Chefin in der Projektierung sah ein, dass der Sport wichtiger ist."
Nach der Wende führte sie diese Arbeit einfach fort und sorgte dafür, dass der Verein erfolgreich in die neue Zeitrechnung starten konnte. Zusammen mit dem BSG-Vorsitzenden Gerhard Flögel schrieb sie damals in "mühsamer Kleinstarbeit" die Satzung für den neuen Verein -den ESV. "Das haben wir nach Mustern getan, die wir von staatlicher Seite bekamen. Wir hatten so etwas ja noch nie gemacht."
Waltraud Planeta ist seit dieser Zeit Schatzmeisterin des Vereins, der zu seiner Neugründung noch etwa 1000 Mitglieder hatte und jetzt bei 300 angekommen ist. Sie hält dem Verein auch in schwierigen Zeiten die Treue, bis heute. Ein starker Einschnitt war 2008 zum Beispiel die Schließung der Kamieth-Halle in der Leipziger Straße, die lange Jahre vom Verein, vor allem den Handballern genutzt wurde. "Wir konnten sie nicht mehr finanzieren", sagt Waltraud Planeta. Heute seien noch drei Abteilungen verblieben: Boxen, Schwimmen und Wandern.
Ihre Arbeit als Schatzmeisterin erledigt Waltraud Planeta, die einen Sohn und einen Enkel hat,aufgrund eines fehlenden Vereinsbüros in ihrer Wohnung in Neuberesinchen. "Der Vereinssitz ist quasi bei mir zu Hause." Von dort arbeitet sie auch ehrenamtlich als Schatzmeisterin für den Brandenburgischen Wandersport- und Bergsteigerverband, dessen Schatzmeisterin sie seit 1997 ist. Freizeit, sagt sie, habe sie kaum. "Manchmal ist das alles ganz schön viel. Und wenn ich mich so umhöre, sollte ich mit 80 aufhören." Doch noch sei kein Nachfolger gefunden.
Ein schöner Ausgleich sei da das Wandern. Seit 1959 ist Waltraud Planeta staatlich geprüfte Wanderleiterin und über viele Jahrzehnte mit ihrem Mann Harri Planeta in der früheren Sektion und heutigen Abteilung Wandern des Vereins engagiert. 1993 machte sie die C-Lizenz, weil sie zunächst dachte, das DDR-Papier werde nicht anerkannt. Heute leitet sie an jedem Wochenende und an einem Mittwoch pro Monat Wandertouren in der näheren Frankfurter Umgebung und gibt dabei auch die Reiseführerin. Die Teilnehmerzahlen schwanken zwischen fünf und 40. Seit 1980 sei statistisch festgehalten, wie viele Kilometer sie auf solchen Touren gewandert ist: "Es sind 34 000", sagt sie. Geehrt wurde sie in Berlin auch für diese Leistung.