Herr Derling, auf welche beruflichen Herausforderungen stellen Sie sich 2014 ein?
In der Kultur ist es die Gründung einer Stiftung als Träger der Kleist-Gedenk- und Forschungsstätte. Es gilt außerdem, die Diskussion zum Integrierten Stadtentwicklungskonzept (INSEK - die Red.) zu einem erfolgreichen Ende zu führen. Im Baubereich wollen wir zeitgleich drei Schulen in möglichst kurzer Zeit inklusiv ertüchtigen. Ich hoffe, dass wir für zwei dieser Schulen zusätzlich Mittel zur energetischen Sanierung bekommen. Das würde zwar die Maßnahmen verlängern, aber wir könnten spürbare Verbesserungen erreichen.
Was passiert im Straßenbau?
Leider können wir nur das Notwendigste tun und selbst dafür reichen die Mittel kaum. Diesen Zustand beklage nicht nur ich, sondern auch Auto- und Radfahrer ebenso wie die Fußgänger. Viele Gehwege sind in denkbar schlechtem Zustand. Alle hoffen, dass die Winterschäden nicht so dramatisch ausfallen wie in den vergangenen Jahren.
Es heißt, einigen Straßen in West drohe die Sperrung.
Das ist die Ultima Ratio. Der Tiefbauamtsleiter wollte damit auf die Dramatik der Situation aufmerksam machen. Wir haben qualifizierte Mitarbeiter, die kreative Ideen entwickeln, dass wir das vermeiden können.
Was hat sich seit der Vorstellung des Masterplans für die Innenstadt getan?
Das Innenstadtentwicklungskonzept wird kontinuierlich umgesetzt. Gemeinsam mit der Wowi wird jetzt das Interessenbekundungs- und Investorenverfahren für das Baufeld Slubicer Straße vorbereitet und demnächst veröffentlicht, um Investoren für zu gewinnen. Es gibt ja bereits einen Interessenten für ein Fachmarktzentrum, der sich öffentlich geäußert hat, aber wir müssen Wettbewerb schaffen, um die besten Ideen zu nutzen.
Apropos Handel. Was hören Sie aus dem Südring?
Dort hat der Insolvenzverwalter die Geschäfte übernommen und führt das Center weiter. Es gab einen ersten Kontakt durch den Oberbürgermeister. Wir haben unsere Hilfe angeboten, damit ein tragfähiges Konzept entwickelt werden kann, sich das Objekt wieder positiv entwickelt.
Geht das ohne Media Markt?
Stadtteilzentren haben ihre wesentliche Funktion in der Grund- und Nahversorgung. In Süd leben viele Tausend Menschen, die auch in Zukunft im Stadtteil einkaufen wollen. Die Chance für das Südringcenter besteht darin, mit Einzelhandelsunternehmen vernünftig zusammenzuarbeiten, die diese Nachfrage als Umsatz generieren wollen. Wir sollten das durch eine Veränderungssperre unterstützen, damit Handelsansiedlungen außerhalb des Centers vermieden werden.
In der Innenstadt tut sich etwas. Gegenüber der neuen Volkshochschule wird nun wohl nach langer Verzögerung die Arbeitsagentur gebaut.
Die Umsetzung der in der Werkstatt Innenstadt formulierten Ziele braucht Zeit. Wenn man einen langen Atem hat und bei der Stadtentwicklungspolitik nicht dauernd Haken schlägt, setzt sich Quantität schrittweise in Qualität um. Wir kommen voran. Kleistmuseum, Georgenhospital, Arbeitsagentur, die Wohnungs- und Wohnumfeldsanierung Wollenweberstraße, selbst die Glocken für St. Marien - das spielt alles dort hinein.
Wo sollen mehr Innenstadt-Besucher künftig parken?
Mit der Arbeitsagentur und der Bebauung an der Slubicer Straße müssen auch zwei neue privat betriebene Parkhäuser errichtet werden. Die Innenstadt muss gerade für Kunden mit dem Auto erreichbar bleiben. Wir verfügen aber auch über einen funktionierenden Nahverkehr, der die dort Arbeitenden in die Innenstadt bringen kann und der in dieser Diskussion leider etwas vernachlässigt wird.
Frankfurts ÖPNV reicht mit der Buslinie 983 seit Ende 2012 über die Grenze. Wie wird diese Kooperation fortgesetzt?
Wir haben uns darauf verständigt, Frankfurts Nahverkehrsplan für Slubice sozusagen um ein Kapitel auszuweiten. Es gilt also, gemeinsame konzeptionelle Grundlagen für den gemeinsamen Ausbau des ÖPNV zu schaffen. Der Bus funktioniert, das Thema grenzüberschreitende Straßenbahn steht aktuell nicht auf der Tagesordnung.
Es gab Überlegungen zur gemeinsamen Vermarktung von Wohnungen. Wie ist der Stand?
Ich möchte die Frage genereller beantworten. Wir machen im INSEK-Entwurf ganz deutlich, dass wir zunehmend alle Stadtentwicklungsprozesse aufeinander abstimmen wollen. Das Konzept ist noch kein gemeinsames, aber wir wollen uns als Doppelstadt entwickeln. Das heißt, dass alle Möglichkeiten zur Zusammenarbeit im Interesse der Bürger genutzt werden. Da ist die Wohnungswirtschaft ein Thema und es gibt es viele, viele andere.
Das INSEK umfasst auch Neuberesinchen. Wie geht es dort weiter?
Wir werden wie geplant bis auf die Häuser der WoGe Süd und wenige private Einzelgebäude den flächendeckenden Rückbau im WK IV abschließen. In den anderen Teilen Neuberesinchens planen die Wohnungseigentümer noch einige punktuelle Rückbauten, Schwerpunkt Heinrich-Hildebrand-Straße. Wir wollen dann aber die Stabilisierung des verbleibenden Bestandes. Im INSEK weisen wir deshalb sogar Flächen zur kleinteiligen Bebauung und Abrundung aus. Es geht also um die Wandlung von der Großwohnsiedlung in industrieller Plattenbauweise zu einem offenen, durchgrünten Stadtteil.
Neben Stadtentwicklung, Bauen und Umweltschutz gehört die Kultur zu Ihrem Ressort. Die Kulturentwicklungsplanung ist aufwendig erarbeitet worden.
Ja, sie war und ist beispielgebend, hat Stabilität in die Kulturszene gebracht, wodurch kreative neue Ideen verwirklicht werden konnten. Leider gilt sie nur noch bis 2015. Wir sind gut beraten, rechtzeitig nach der Kommunalwahl mit der Fortschreibung zu beginnen, um wiederum alle einzubeziehen und für anstehende Haushaltsentscheidungen gute Argumente für den Erhalt der Kultur zu haben. Die Kultur hat in Frankfurt einen so hohen Stellenwert, weil sie fest in der Bürgerschaft verankert ist. Es gibt so viele Einrichtungen, Gruppen und Initiativen, dass wir auch bundesweit im Vergleich bestens dastehen. Dieses Kulturangebot, das sage ich ganz klar, gilt es zu erhalten, weil es ein Wesenszug dieser Stadt ist. Wir werden in diesem Jahr weitere Impulse setzen: Das Bach-Jahr, das wir ganz aktiv begehen, wird Frankfurts Ruf als Kulturstandort und seine Kulturlandschaft weiter stärken.
Die städtische Messe- und Veranstaltungs GmbH wird nicht zum ersten Mal übergangsweise geleitet. Weshalb ist es so schwer, einen Geschäftsführer zu finden?
Es gab ein Ausschreibungsverfahren, in dem offensichtlich nach Auffassung des Aufsichtsrats kein Bewerber so überzeugend war, dass es zu einer Personalentscheidung gekommen wäre. Es wurde ein neues Verfahren gestartet und weil eine GmbH nicht ohne Geschäftsführung existieren kann, eine Interimslösung installiert. Die Messe- und Veranstaltungs- GmbH ist für die städtische Kultur ein wichtiger Akteur, bei dem nun auch vernünftigerweise Stadtmarketingaufgaben gebündelt werden.
Wie oft kommen Sie selbst dazu, Frankfurter Kultur zu genießen?
Ein bis zwei Kulturtermine in der Woche nehme ich schon wahr. Das Angebot ist so groß und so erfreulich, dass man jede Woche Interessantes und Hochwertiges, manchmal auch Überraschendes erleben kann.
Was hat Sie denn zuletzt überrascht?
Halte ich Rückschau auf das vergangene Jahr, muss ich einfach sagen, dass die "Penthesilea"-Inszenierung von Petra Paschinger zu den Kleist-Festtagen eine absolut positive Überraschung war, die mich hellauf begeistert hat. Begeistert hat mich 2013 aber auch die grandiose "Carmina Burana"-Aufführung mit über 400 Kindern und Jugendlichen im Rahmen der Education-Arbeit unseres Staatsorchesters.
Wir sprachen über Herausforderungen. Was ist Ihr größter beruflicher Wunsch für 2014?
Wir haben in diesem Jahr im Mai Kommunalwahlen. Für mich ist die Demokratie unser größter Schatz, sie garantiert uns nicht zuletzt die kommunale Selbstverwaltung. Wir alle tragen aber auch die Verantwortung, sie zu erhalten und zu stärken. Ich wünsche mir wirklich sehr und werbe dafür, dass es trotz aller aktuellen Sorgen und Herausforderungen Frankfurter gibt, die sich in den Parteien und darüber hinaus für diese Stadt allgemeinwohlorientiert engagieren wollen und als Kandidaten zu den Kommunalwahlen antreten.