Montage einer Straßenbahnbrücke über die A12

Bildergalerie Montage einer Straßenbahnbrücke über die A12

Gegen neun Uhr am Sonntagmorgen konnte Wolfgang Worf aufatmen. „Da war klar, dass der erste Träger passt“, sagte der Projektleiter der Stadtverkehrsgesellschaft (SVF) bei einer kurzen Pause im Schatten. Bei einer Länge der Träger von 37 Meter sei eine Toleranz von zwei Zentimetern „kein Kinderspiel“.
Zuvor hatte der Transport der in Bautzen gefertigten Stahl-Beton-Träger Bauleiter Worf ins Schwitzen gebracht. Auf Tiefladern sollten die 37 Meter langen und 30 Tonnen schweren SVF-grünen Ungetüme gen Frankfurt rollen. Dass das trotz Staus gerade noch pünktlich klappte, war nicht selbstverständlich. Nun aber konnten sie am Sonntagvormittag einschweben. Ein spektakuläres Schauspiel, das viele Schaulustige von den zwei benachbarten Brücken verfolgten. Mit Fahrrädern, Kindern, Kameras und sogar Klappstühlen kamen sie zu diesem Sonntagsausflug. „Die langen Dinger wollte ich mir mal anschauen“, sagte ein Rentner, der das Geschehen von der Fußgängerbrücke aus beobachtete. Trotz brennender Sonne saß er am Mittag schon mehrere Stunden auf seinem Klappstuhl. „Hätte gedacht, dass das einfacher ist“, kommentierte er. 
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Zur Baustelle direkt an der Straßenbahnbrücke hatte die SVF einige Gäste eingeladen. Sie konnten aus nächster Nähe sehen, wie die Träger sorgsam an Seilen befestigt und nach und nach über die Autobahn gehievt wurden. Anders als die alte Brücke, die aufgrund von sogenanntem Betonkrebs im Fundament vor sieben Monaten abgerissen werden musste, liegen die neuen Träger nur auf zwei Pfeilern auf, der mittlere wurde entfernt.
Einer, der das interessiert verfolgte, war Oskar Baron. Er war beim Tiefbaukombinat einst für die Straßenbahnstrecke zuständig. „Ich hatte nicht gedacht, dass ich den Abriss und Neubau noch miterlebe“, sagte er. Schließlich baue man eine Brücke eigentlich für 100 Jahre. Trotz des Ärgers über das schadhafte Material von damals, kann er dem Neubau viel abgewinnen. „Das Bauwerk interessiert mich, außerdem treffe ich hier viele Kollegen“, sagte er, um sich einem von ihnen gleich zuzuwenden. Das Konzept der SVF, ihre besondere Baustelle zu einem öffentlichen Ereignis werden zu lassen, schien aufzugehen. Das Interesse war groß. Schließlich verbaut der Stadtverkehrsbetrieb hier drei Millionen Euro. Dafür werden auch andere Vorhaben auf der Strecke realisiert, solange keine Straßenbahnen fahren, etwa ein Überweg am Klinikum. Auch an der Brücke wird weiterhin gearbeitet. Am Sonntag hat sie noch ein Geländer bekommen. Die künftigen Arbeiten können aber ohne weitere Vollsperrung der Autobahn erfolgen.
Mit dem Fahplanwechsel im Dezember hofft Worf dann auch wieder auf eine Aufnahme der Verkehrs mit der Straßenbahnlinie 4. Sie wird dann mit 60 Stundenkilometern nicht nur über die neuen Träger rollen, sondern auch einzigartige Kunststoffschwellen überqueren. Diese hat die SVF in Japan bestellt, sie ersetzen die üblichen Schwellen aus Holz. „Die Deutsche Bahn probiert sie gerade aus und ganz vereinzelt gibt es so etwas in Berlin und Wien“, berichtet der Ingenieur Worf. Der Schotter allerdings, mit dem das Gleisbett aufgefüllt wird, ist kein neuer. „Wir reinigen den Schotter hier und bringen ihn wieder ein“, sagt Worf und zeigt auf die Schotterhügel an der Baustelle. Nachhaltigkeit sei ein großes Thema. Auch für die Zauneidechsen, die neben der Baustelle mit Amphibienzäunen geschützt werden.