Es war im Winter 1517, als in Frankfurt an der Oder der Ablasshandel blühte. Der Dominikanermönch Johann Tetzel hielt sich im Auftrag Albrecht von Brandenburgs in der Stadt auf, um gegen Gebühr Freifahrtsscheine ins Paradies unters Volk zu bringen. Mit dem Geld wollte sich der Markgraf seiner Schulden entledigen. Ein Teil des Geldes floss zudem in den Bau des Petersdoms in Rom. Den verbrieften Gnadenakt bewarb Tetzel mit dem berüchtigten Satz: "Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Feuer springt".
Die Ablasspraxis war ein wesentlicher Beweggrund für die in 95 Thesen gegossene Generalkritik Martin Luthers an der römisch-katholischen Kirche - der Ausgangspunkt der Reformation.
500 Jahre später braucht es für das Ausstellen von Ablassblättern keinen Dominikaner mehr. Ein Computer und ein handelsüblicher Drucker reichen vollkommen aus, wie sich im Museum Viadrina zeigt. "In der Reformationsgeschichte spielen Ablassbriefe eine wichtige Rolle. Mit einer Medienstation wollen wir das Thema etwas greifbarer aufbereiten", erklärt Museumsdirektor Martin Schieck. Das Museum im Junkerhaus ist einer von drei Anlaufpunkten der Frankfurter Reformationsausstellung. Anhand von Objekten aus der ständigen Sammlung sowie Leihgaben wird über die Bedeutung Frankfurts um 1500, die Universitätsgeschichte und wichtige Frankfurter Akteure aus der Reformationszeit informiert. Zudem können Besucher an der vor wenigen Tagen in Betrieb genommenen Medienstation nun auch selbst aktiv werden. Über ein einfaches Menü auf einem berührungsempfindlichen Monitor lässt sich zunächst ein animierter Kurzfilm starten. Er zeigt, wie der Ablasshandel funktionierte und welche Blüten die Praxis mitunter trieb. Denn die von Tetzel ausgestellten Blätter bescheinigten den Sündern nicht nur einen Strafnachlass für bereits begangene Missetaten. Ablass wurde - gegen Bares - auch für zukünftige Sünden gewährt.
Nutzer der Medienstation können sich anschließend ihren ganz persönlichen Ablassbrief zusammenstellen und ausdrucken lassen. 25 verschiedene Sünden stehen zur Auswahl - von der Anbetung eines falschen Gottes über Völlerei bis Ungehorsam. Abhängig vom gesellschaftlichen Stand wird eine symbolische Preisliste abgerufen. Ritter, die ihr Eheweib betrogen haben, etwa müssen 15 Gulden zahlen. Standesgenossen, die ihre Nase in Dinge gesteckt haben, die sie wirklich nichts angehen, kommen mit einem zu entrichtenden Gulden vergleichsweise günstig weg. Tatsächlich wird jeder Besucher, der sich einen Ablassbrief zur Erinnerung ausdrucken möchte, gebeten, einen Obolus von einen Euro in den "Tetzelkasten" zu werfen.
Entwickelt wurde die Medienstation von der Haase & Martin GmbH Dresden für eine Ausstellung auf der Festung Königsstein. "Wir dürfen das Konzept freundlicherweise nachnutzen", so Martin Schieck.
Einer, der ersten, die das Angebot ausprobierten und sich einen Ablassbrief ausdruckten, war Kulturdezernent Markus Derling."Die Medienstation macht die Reformationsgeschichte vor allem für junge Besucher lebendig, ein tolles Angebot."
Das Museum Viadrina, Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Straße 11, ist täglich von 10-18 Uhr geöffnet.
Digitales Angebot zur Frankfurter Reformationsausstellung im Museum Viadrina