Gemälde an Hauswänden gibt es inzwischen soviele, dass man einen kleine Street-Art-Route anlegen könnte. Für soviel Aufruhr wie das neueste hat jedoch noch keines gesorgt.
Feierlich fuhr am Donnerstag ein Feuerwehrauto vor der Garagenwand hinter dem Słubicer Landratsamt an und gab damit den Blick frei auf das weibliche Porträt mit dem roten Blitz – Symbol des „Frauenstreiks“ gegen das Ende Oktober vom Verfassungsgericht ausgesprochene Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen. Das Urteil hatte auch im kleinen Słubice mehrere Male Protestmärsche mit 500 Teilnehmenden auf die Straße gebracht – bis neue Corona-Verordnungen sie unmöglich machten.

Geschäftsmann will Erneuerung des Kunstwerks sponsern

Nun wollten die lokalen Aktivistinnen den Protest mit anderen, nämlich künstlerischen Mitteln fortsetzen. Sie sammelten 2000 Złoty Spenden für Farbe, erhielten eine Garagenmauer zur Nutzung vom Landkreis und holten die stadtbekannten Straßenkünstler von „Art Garage“ ins Boot. Heraus kam ihr wohl politischstes Bild  – nicht nur, dass bei der Präsentation mit Anita Kurcharska-Dziedzic und Tomasz Aniśko gleich zwei oppositionelle Abgeordnete des Warschauer Parlaments zugegen waren und das Wort ergriffen, wie sie es auch schon auf der letzten größeren.
Das Bild provozierte offenbar auch Gegner. Schon am Sonnabend früh war das Werk bis zur Unkenntlichkeit beschmiert. In den Sozialen Medien sorgte das nicht nur für herbe Empörung, manche äußerten sich auch verständnisvoll.
Im Medium slubice24.pl bot ein Słubicer, der anonym bleiben will, 5000 Złoty für denjenigen, der einen entscheidenden Hinweis auf den oder die Täter geben kann. Hinweise nehme die Redaktion des News-Portals entgegen, heißt es in dem Beitrag.
„Wir wissen nicht, wer das Geld ausgesetzt hat“, sagt Wiktoria Górkiewicz von der Gruppe „Czarne Słubice“, die das Graffity initiiert hat und schon die Demonstrationen Anfang November organisierte. Nach der Zerstörung des Kunstwerks habe die Gruppe Anzeige bei der Polizei erstattet, so Wiktoria Górkiewicz. Allerdings gebe es bislang keinerlei Zeugen oder Hinweise.
Nach Bekanntwerden der Zerstörung kündigte Górkiewicz an, das Bild zu erneuern. Umgehend erklärte sich der Słubicer Geschäftsmann Mariusz Dubacki bereit, die Farben für die Neuauflage zu sponsern. „Allerdings unter der Bedingung, dass wir auch Überwachungskameras anbringen“, sagt Wiktoria Górkiewicz. Deswegen sammele ihre Gruppe nun Spenden für Kameras.