In der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag forderte der Oberbürgermeister die AfD und insbesondere Stadtverbandschef Wilko Möller dazu auf, im politischen Raum nicht mehr von "Dammvorstadt", sondern Słubice zu sprechen (MOZ berichtete). Der Stadtverordnete Ludwig Patzelt (CDU) schrieb nun einen offenen Brief an Möller, der künftig auch Co-Vorsitzender des Gemeinsamen Europäischen Integrationsausschusses mit Slubice sein wird. Das Schreiben dokumentieren wir nachfolgend in Auszügen:
"Sehr geehrter Herr Kollege Möller, [...] Als Auslöser der Verstimmung auf polnischer Seite haben Sie sich natürlich auf den Fuß getreten gefühlt. Mit Kritik umzugehen, ist nicht immer leicht, und so war es Ihr Bemühen, in dem übermittelten Ersuchen des Slubicer Stadtoberhauptes über den Frankfurter OB einen Makel zu finden und als nachträglichen Wahlkampf erscheinen zu lassen [...]. Wegen Ihrer Reaktion und um der Sache willen hat unser Fraktionsvorsitzender Michael Möckel versucht, Ihnen die Bedeutung des Begriffs "Dammvorstadt" in der politischen Rede nahezubringen und von historischen Betrachtungen zu entheben. Die Bereitschaft, in gegenseitigen Austausch zu treten, wurde jedoch von Ihnen und Ihrem Fraktionskollegen Herrn Schneider komplett sabotiert. Mit dem Wunsch, "nicht belehrt zu werden", entziehen Sie sich erfolgreich jeder dialogorientierten Debatte, die immer am Modell gegenseitigen Lehrens und Lernens orientiert ist. Natürlich ist auch das menschlich nachzuvollziehen. Problematisch ist nur, dass ohne Lernbereitschaft die Debatte keinen Sinn ergibt und zum Scheitern verurteilt ist.  [...]
In Ihrer Rede führten Sie ihre positiven Begegnungen mit polnischen Vertretern an und dass Sie die Problematik Dammvorstadt, die "irgendwelchen Leuten" ein Dorn im Auge ist, mit ihnen demnächst mal besprechen wollten. Diese "irgendwelche Leute" sind aber die führenden Vertreter der Slubicer Kommune und ich frage mich wirklich, wie Sie einen gemeinsamen Ausschuss führen wollen, wenn Sie die polnischen Partner derart abqualifizieren, dass Sie vom Slubicer Stadtoberhaupt sprechen, als wäre er irgendein Dahergelaufener ohne Rang und Namen?
Patzelt will Antworten
Nun komme ich aber zur Kernfrage: Was verdammt ist Ihnen derart wichtig, von "Dammvorstadt" zu sprechen? Und Ihrer Fraktion, die Sie in dem Anliegen beinhart unterstützt? Dass Sie damit die Gefühle auf polnischer Seite verletzten, ist ein Fakt. Es ist vielleicht ähnlich, als würden Russen unsere Stadt Frankfurt (Oder), deren Vertreter Sie hier und in Potsdam sind,  permanent (in russischer Sprache) "Festung vor Berlin" nennen. Warum brauchen Sie das? Ich verstehe einige Ihrer spontanen Reaktionen, gerade auch in der Stadtverordnetenversammlung. Aber warum es Ihnen und der gesamten AfD wichtig ist, zu versprechen "Wir holen Dein Land zurück" und statt der selbstverständlichen Stadtbezeichnung Slubice von "Dammvorstadt" reden müssen, warum das eigentlich wichtig ist – das verstehe ich nicht. Wirklich, ehrlich – ich verstehe es nicht. Ich würde mich freuen, wenn Sie mir das erklären könnten. Ich höre zu. [...] Ich möchte von Ihnen für diese Stadt, die Ihnen und mir Heimat geworden ist, eine öffentliche Antwort, damit die Menschen von Frankfurt (Oder) und Slubice erfahren, worum es in solchen Debatten wirklich geht. [...]"