Seit dem Inkrafttreten der gelockerten ASP-Allgemeinverfügung am Freitag (7.10.) hat René Schmidt im Stadtwald deutlich mehr Pilzsammler als zuvor angetroffen. Bis dahin war es verboten, vom Weg abzuweichen und durch den Wald zu streifen. Nicht alle hätten sich daran gehalten. Immer wieder habe er Spaziergänger ermahnen müssen, berichtet der Stadtförster von Frankfurt (Oder). Deutlich wird: Glücklich ist er nicht gerade über die neue Freiheit. Denn das „Störpotenzial“ fürs Wild, das aktuell teils noch in der Brunftzeit ist, sei „enorm“. Vor allem, wenn sich Sammler, quer durch den Wald schreiend, über jeden Pilzfund informieren, beklagt der Stadtförster.
René Schmidt macht in dem Zusammenhang darauf aufmerksam, dass das Pilze sammeln grundsätzlich nur für den Eigenbedarf, „also nicht Wäschekörbe-weise“ gestattet ist. Trifft er Sammler an, die es „deutlich übertreiben“, so schreitet der Stadtförster ein.

Amtstierärztin: Der Eichwald ist Hochsicherheitszone

Auch Claudia Schütte, die Amtstierärztin von Frankfurt (Oder), hat im Zusammenhang mit der Aufhebung des Betretungsverbotes für die Wälder und offene Flur im gesamten Stadtgebiet einige Bauchschmerzen. Vor allem mit Blick auf den an die Oder angrenzenden Eichwald an der südlichen Stadtgrenze.
„Der Eichwald ist unsere wichtigste Barriere gegen die aus Polen kommenden, durch die Oder schwimmenden Wildschweine. Er ist quasi unsere Hochsicherheitszone zwischen dem Fluss und den zwei ASP-Schutzzäunen an der Steilen Wand und an der Bundesstraße 112“, erklärt Schütte.
Weil sich der erste Schutzzaun nicht direkt an den Felsen der Steilen Wand, einem Prallhang der Oder, errichten ließ, verläuft er direkt durch den Eichwald. „Die Wildschweine lieben die Eicheln dort“, sagt Frankfurts Amtstierärztin. Sie bittet und mahnt eindringlich, die Tore in den Zaunanlagen stets geschlossen zu halten und ihre Behörde umgehend über beschädigte Zaunteile zu informieren.

Es sind wieder einzelne Wildschweine gesichtet worden

Denn nachdem Begehungen und Drohnenüberflüge nach der intensiven Bejagung der Schwarzkittel in den vergangenen Monaten gezeigt hatten, dass es „in unseren ASP-Kerngebieten keine Wildschweine mehr gab“, seien jetzt wieder einige Tiere gesichtet worden, berichtet Claudia Schütte. Das bedeute, dass „der Bekämpfungsauftrag für die Jäger weiter gilt. Die Gefahr ist noch nicht gebannt“, betont die Veterinärin. Sie bedauert, dass es im Nachbarland Polen offenbar „keine effektive Bekämpfung“ der Afrikanischen Schweinepest gebe.
René Schmidt verweist noch auf einen anderen Grund, weshalb Pilzsammler lieber in den Stadtwald im Ortsteil Rosengarten oder in den Wald um den Helenesee statt in den Eichwald gehen sollten: Letzterer liegt im Naturschutzgebiet Eichwald/Buschmühle. Teile des Auwaldes sind Totalreservat. Laut der Schutzgebietsverordnung gelte für den Wald jenseits der Wege ein Betretungsverbot, so Frankfurts Stadtförster.

ASP-Schutzzäune werden noch nicht zurück gebaut

Anders als im benachbarten Landkreis Oder-Spree (LOS), wo nach der Aufhebung von ASP-Kerngebieten teils auch Schutzzäune zurückgebaut werden, sei in Frankfurt (Oder) damit vorerst nicht zu rechnen. „Die Stadt befand sich in zwei ASP-Kerngebieten, die im Norden nach Märkisch-Oderland und im Süden nach LOS weiter reichten“, erinnert Claudia Schütte. Deshalb gibt es an der Stadtgrenze keinen Zaunschluss. Und weil das Kerngebiet an der Oder in Märkisch-Oderland (MOL) weiter gilt, kann auch der dazu gehörige Teil in Frankfurt (Oder) nicht aufgehoben werden. Nur das Kerngebiet südlich der A12 wurde in eine sogenannte weiße Zone umgewandelt.
Damit sind einige Nutzungseinschränkungen für die Land- und Forstwirtschaft aufgehoben. Fallwildsuche und Drohnenüberflüge vor der Ernte entfallen ebenso wie die bisher vorgeschriebene halbjährige Lagerung von Futtermitteln, die in ASP-Kerngebieten geerntet wurden, nennt Frankfurts Amtstierärztin Beispiele. Die Landwirte seien im Zuge der Herbstbestellung jedoch dringend gebeten, Blühstreifen und Bejagungsschneisen anzulegen, weiß sie. Stadtförster René Schmidt und seine Mitstreiter können fortfahren, in den vom Borkenkäfer und von Stürmen geschädigten Fichtenbeständen in Frankfurts Wäldern aufzuräumen.