Der große Konferenzraum im Kleist Forum bot längst nicht allen Frankfurtern Platz, die am Donnerstag die Stadtverordnetendebatte zum Südringcenter verfolgen wollten. Einige von ihnen meldeten sich in der Einwohnerfragestunde zu Wort, um deutlich zu machen, dass ihnen dieses Zentrum mehr als nur Einkaufsstätte, sondern auch sozialer Treffpunkt geworden sei. Seniorenbeiratschef Siegfried Ernst verwies auf den Wohnpark des Arbeitersamariterbundes direkt gegenüber - nicht zuletzt wegen des nahen Centers genau dort gebaut. Anwohner warfen der Stadtverwaltung vor, den Südring "runter zu wirtschaften".
Darum gehe es nicht, machte Baudezernent Markus Derling (CDU) in der Debatte deutlich. Ziel seien eine Stärkung der Innenstadt und eine Sicherung der Nahversorgung im Stadtteil Süd. Oberbürgermeister Martin Wilke (parteilos) sagte: "Wir müssen uns dazu bekennen, dass unsere Potenziale nicht für alles ausreichen." Er schlug vor, auf eine Erweiterung zu verzichten und den Elektronikmarkt, mit dessen Ansiedlung das Centermanagement nach eigenen Angaben auf einen Neuanfang hofft, innerhalb des bestehenden Centers mit jetzt 26 Prozent Leerstand unterzubringen. Diese Variante hatte das Management stets als nicht praktikabel zurückgewiesen.
Rechtsanwalt Philipp Hackländer, Vertreter des vorläufigen Insolvenzverwalters, warb für die Genehmigung der Erweiterung. Es gebe noch keinen konkreten Vertrag mit Media Markt, das sei im derzeitigen Verfahrensstadium allerdings auch kaum möglich. Den Stadtverordneten empfahl er, die von der Verwaltung vorgeschlagene Veränderungssperre nicht zu beschließen. Mit dieser Sperre wäre eine Ansiedlung weiteren Einzelhandels in Süd außerhalb bestehender Einrichtungen unmöglich geworden und damit auch die Erweiterung des Südringcenters. Dessen Eigentümer planen einen Anbau über dem Parkplatz an der Leipziger Straße, in dem Media Markt untergebracht werden könnte. Öffentlich geworden ist von dem Elektronik-Riesen bislang ein Schreiben, in dem es heißt, die Kette habe in Frankfurt nur Interesse an einer Ansiedlung in Süd. Laut Centermanagement laufen Mietvertragsverhandlungen.
Die Stadtverordneten stimmten gegen die Veränderungssperre, aber auch gegen den Antrag von Wolfgang Neumann (Linke), Steffen Alisch, Manfred Pusch (beide SPD), Josef Lenden (BI Stadtumbau) und Angelika Schneider (BI Stadtentwicklung), die Verwaltung mit einer Genehmigung des Bauantrags zu beauftragen. Zustimmung gab es indes zum Vorhaben, einen Bebauungsplan zur Einzelhandelssteuerung in Süd zu erarbeiten. Damit soll die Erweiterung bestehender Flächen ebenfalls unmöglich gemacht werden. Weil das Planverfahren aber ein bis zwei Jahre dauern kann, wollte die Verwaltung mit der Veränderungssperre kurzfristig eine Grundlage für die Ablehnung des Bauantrags schaffen. Dabei geht es auch darum, das von den Stadtverordneten beschlossene Einzehandelskonzept umzusetzen, mit dem eine Stärkung des Innenstadthandels angestrebt wird.
Der Bauantrag für die Center-Erweiterung liegt bei der Stadtverwaltung vor, sei aber noch nicht komplett, berichtete Jens Wietschel, Teamleiter Bauberatung im Bauamt. Bis 30. April sollen die Antragsteller fehlende Unterlagen nachreichen, dann entscheidet die Behörde, ob das Einkaufszentrum erweitert werden kann.