Etwas Nebel liegt über dem See. Es ist kaum windig, aber kühl. Die Sonne hat an diesem Nachmittag keine Chance. Am Stützpunkt der Tauchschulen am Oststrand lodert ein Feuer. Es gibt Glühwein, Tee oder Grog. Allzu viele Frankfurter haben sich noch nicht zum Helenesee aufgemacht. Zu lange währte wohl die Pause zwischen dem letzten Weihnachtstauchen im Jahre 2003 und dem Neustart am Sonnabend.
Viele Taucher und natürlich die Eisbader der Helenesee-Löwen sind trotzdem gekommen. "Im letzten Jahr hatten wir sozusagen einen inoffiziellen Test. Der Zuspruch der Teilnehmer war gut, also wollen wir die Tradition fortsetzen", sagt Cathleen Positzki von der DRK Wasserwacht. Während die Froschmänner und -Frauen sich jedoch in ihre wärmenden Trockenanzüge hinein quälen, verzichten die Helenesee-Löwen fast ganz auf Kleidung. Der Grund, warum sich die etwa zwanzig Frauen und Männer das antun, bleibt einigen dick eingepackten Zuschauern weiterhin verborgen.
Dass es Badesachen um diese Zeit im Sonderangebot gibt, dürfte nicht die Motivation sein. "Es macht einfach Spaß", meint Karin Biermann, die Löwen-Chefin. "Zumindest soll es gesund sein", meint eine Zuschauerin am Strand, "liest man in der Zeitung", fügt sie hinzu. Das Wasser hat sieben Grad Celsius, die Luft nur etwa drei. Von den Tauchern ist nichts mehr zu sehen, die sind bereits unter Wasser, die roten Weihnachtsmützen der Eisbader hingegen hüpfen über die Wasseroberfläche.
"Nächstes Wochenende gehen wir noch mal rein, meint Karin Biermann, dann ist Pause bis zum Neujahrstauchen am 4. Januar. Da sind wir natürlich auch wieder mit unseren historischen Kostümen im Wasser", schaut sie bereits voraus. Cathleen Positzki schaut noch einmal zurück, auf ein ereignisreiches Jahr für die Wasserwacht des DRK. Ein Höhepunkt und vor allem viel Arbeit bedeutete für die ehrenamtlichen Helfer das Helene Beach Festival. "Im Verhältnis zu den Zuschauerzahlen waren es wenig Verletzte", findet sie. "Wenn das Festival-Gelände nachts so richtig voll war, haben wir die Betroffenen mit dem Boot zur Behandlung gebracht. Das war schon etwas Besonderes", findet sie.
Aber auch der besondere Einsatz zum Stadtfest "Bunter Hering" wird noch lange in Erinnerung bleiben. "Dort, wo die Schwimmer aus der Oder kommen, tauchen wir einen Tag vorher noch einmal, um Treibgut, das immer wieder angeschwemmt wird, zu entfernen", erklärt Thomas Borchert. Er ist Munitionsbergungstaucher und deutschlandweit im Einsatz.Für das DRK arbeitet er ehrenamtlich. "Wir haben dabei drei noch scharfe Panzerfäuste entdeckt, die angeschwemmt wurden", erklärt er. Aufgrund seiner Ausbildung konnte die Munition schnell geborgen und weggebracht werden ergänzt Cathleen Positzki nicht ganz ohne Stolz auf ihren Taucherkollegen. "Der traditionelle Heringszug hätte sonst ausfallen müssen", meint sie.
Munitionstaucher Borchert blieb am Sonnabend übrigens im Trockenen. Durchaus verständlich, wenn man beruflich immer unter Wasser ist.