Montagvormittag im Musikraum der Grundschule Mitte. Marek Picz singt tiefe, raumfüllende Töne, eine Gruppe von Viertklässlern, zum Teil kostümiert, hört beeindruckt zu. Anschließend dürfen sie sich selbst ausprobieren. "Ihr fahrt jetzt mit eurer Stimme wie in einem Fahrstuhl einmal durchs Schloss", erklärt Sylvia Taberzik. Die Schüler legen los und haben sichtlich und unüberhörbar Spaß am musikalischen Gespensterspiel.
Picz ist Sänger im Chor der Deutschen Oper, Taberzik freiberufliche Musikerin. Beide sind vom Verein für interkulturelle Begegnung. Mit den Grundschülern erarbeiten sie an diesem Vormittag - zusammen mit Pianistin Natalija Nikolaye - einen kleinen Auszug aus der Oper "Straszny Dwór", "Das Gespensterschloss" von Stanislaw Moniuszko.
Für die vom polnischen Kulturinstitut in Berlin geförderte polnische Opernwerkstatt hatten sich 17 Schulen beworben, elf bekamen eine Zusage, darunter die Grundschule Mitte. "Das Projekt kommt gut bei den Kindern an", erzählt Nikolaye. Zwei Stunden lang dürfen sich die Kinder ausprobieren, singen, tanzen, verschiedene Rollen einnehmen. "Das Erlebnis zählt", so die Pianistin. Viele kämen auf diese Weise zum ersten Mal mit polnischer Kultur in Berührung.
Die Viertklässler der Grundschule Mitte sind da schon etwas weiter. Seit 2006 ist Polnisch fester Bestandteil des Fremdsprachenangebotes. Von Jahr zu Jahr stieg die Nachfrage. Inzwischen lernt fast die Hälfte der 410 Schüler die Sprache des Nachbarn. Im nächsten Schuljahr werden erstmals alle Erstklässler dazuzählen, berichtet Wiebke Tetzlaff, die Schulleiterin. "Das ist in der Form landesweit einmalig. Wir sind übernachgefragt und mussten schon einigen Familien absagen", so Tetzlaff. Als Gründe für den Ansturm nennt sie ein generell gestiegenes Interesse am Nachbarland oder auch berufliche Chancen, die sich Eltern für ihre Schützlinge erhoffen. "Viele Kinder kamen auch schon in den Kitas mit Polnisch in Berührung".
Mit Projekten wie der Opernwerkstatt versuchen Renata Borngräber und Petra Stiller, die beiden Polnisch-Lehrerinnen, Abwechslung in den Unterrichtsalltag zu bringen. Die Schüler freut es. "Das macht viel Spaß, vorhin haben wir zum Beispiel die Polka getanzt", erzählt etwa Carl Heinrich Bellardt aus der 4a. Er lernt bereits seit der 1. Klasse Polnisch und findet: "Wenn man sich erst einmal damit beschäftigt hat, ist die Sprache gar nicht mehr so schwer."