In Frankfurt (Oder) hat sich der Arbeitsmarkt nach dem Corona-Schock im Frühjahr wieder etwas erholt. „Die Arbeitslosenzahlen sind leicht gefallen, die Stimmung in vielen Unternehmen zieht wieder an“, erklärte Jochem Freyer, Vorsitzender Geschäftsführer der Agentur für Arbeit in Frankfurt am Dienstag. Demnach waren im August 2607 Menschen in der Stadt arbeitslos.

Arbeitslosenquote sinkt leicht auf 8,9 Prozent

Zum Vergleich: im Mai, kurz nach dem Lockdown, wurden in Frankfurt mit 2691 noch 84 Arbeitslose mehr gezählt. Noch allerdings ist auch die Oderstadt von den guten Vorjahreszahlen ein gutes Stück entfernt. Im August 2019 hatte es 2370 Arbeitslose gegeben, 237 weniger als heute. In ganz Ostbrandenburg waren es damals 1969 weniger.
„Das ist die Bürde, die wir aus dem Frühjahr noch mit uns mittragen. Sie schmilzt aber langsam ab“, sagt Freyer. Die Arbeitslosenquote sank zuletzt in Frankfurt auf 8,9 Prozent. Vor einem Jahr hatte sie 8,0 Prozent betragen.
Die Einstellungsbereitschaft in vielen Unternehmen habe noch nicht das Vorkrisenniveau erreicht, räumt Freyer ein, die Nachfrage nach Arbeitskräften nehme dennoch wieder zu. Vor allem in öffentlichen Einrichtungen wie Verwaltungen oder im Gesundheitsbereich (siehe auch Infokasten). Zugleich hat die Zahl der Betriebe in Kurzarbeit rapide abgenommen.

Nur wenige Firmen melden noch Kurzarbeit an

Inzwischen liegen der Agentur für Arbeit ein Großteil der Abrechnungen und damit genauere Zahlen zur Kurzarbeit für die Monate März und April vor. Sie zeigen, dass rund 13 Prozent aller Betriebe und Beschäftigten in Ostbrandenburg im Frühjahr die Möglichkeit genutzt und kurzgearbeitet haben.
Allein in Frankfurt waren im März 243 Betriebe und 1036 Beschäftigte tatsächlich von Kurzarbeit betroffen, einen Monat später verdoppelte sich die Zahl noch. „Von diesen Zahlen sind wir heute deutlich entfernt“, sagt Freyer.
Auch Frank Mahlkow, Leiter des Jobcenters in Frankfurt, bestätigt die Entwicklung. „Kurzarbeit ist kein großes Thema mehr.“ Im August hätten lediglich sieben Betriebe in Frankfurt vorsichtshalber Kurzarbeit angezeigt, darunter in erster Linie kleinere Handwerksbetriebe.

Hohe Arbeitslosigkeit unter Flüchtlingen

Was sich deutlich zeige, so Freyer und Mahlkow: die Krise hat besonders die Schwächeren auf dem Arbeitsmarkt getroffen. Jüngere ohne Ausbildung. Leiharbeiter. Geflüchtete.
Unter den Letztgenannten beträgt die Arbeitslosigkeit in Frankfurt mehr als 34 Prozent. Ein weiteres Drittel der derzeit 565 erwerbsfähigen Flüchtlinge aus nichteuropäischen Asylherkunftsländern bezieht zumindest aufstockende Sozialleistungen. Die Corona-Krise hat die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt in den vergangenen Monaten nun zusätzlich erschwert.
Insgesamt lebten in Frankfurt zuletzt 6813 Menschen in Bedarfsgemeinschaften, also entweder vollständig oder teilweise von Hartz IV, weil der Verdienst nicht zum Leben reicht. Auch diese Zahl hat sich nach Corona erhöht, wenn auch nur geringfügig. Auf lange Sicht jedoch seien in Frankfurt immer weniger Menschen in der Stadt auf Grundsicherung angewiesen, betont Mahlkow. Vor genau fünf Jahren lag die Zahl der Personen in Bedarfsgemeinschaften bei 8153.

Persönliches Gespräch nicht zu ersetzen

Eine Herausforderung für die Agentur für Arbeit und das Jobcenter stellt der Abschlussjahrgang 2020 dar. Es fehle nicht an Ausbildungsstellen, stellt Jochem Freyer klar. „Damit will ich aufräumen“.
Das viel größere Problem sei, dass die Jugendlichen inaktiv und unorientiert seien. „Durch den eingeschränkten Regelbetrieb an Schulen und ausgefallene Sprechstunden der Berufsberatung im Frühjahr ist der Berufswahlprozess bei vielen Jugendlichen zum Erliegen gekommen“, erklärt der Agentur-Chef. Vielen fehle es an Orientierung, „auch weil digitale Angebote das persönliche Gespräch nicht ersetzen können.“
Seine Befürchtung ist, dass viele Jugendliche in diesem Jahr einen Irrweg einschlagen und eine Ausbildung beginnen „die gar nicht zu ihnen passt“. Daher empfiehlt er allen jungen Heranwachsenden noch ohne Ausbildungsplatz, oder denen, die sich unsicher sind, ein persönliches Gespräch bei der Berufsberatung der Arbeitsagentur. Unter Einhaltung der Hygienevorschriften seien Termine inzwischen wieder problemlos möglich.
Mehr Informationen finden Sie auf der Internetseite der Arbeitsagentur.

Offene Stellen


378 Stellen sind derzeit in Frankfurt (Oder) bei der Agentur für Arbeit als vakant gemeldet. Davon kamen 118 im August neu hinzu. Eine größere Nachfrage nach Personal gibt es im Bereich Unternehmensorganisation, Buchhaltung, Recht, Verwaltung (43 offene Stellen) sowie im Bereich Gesundheit, Soziales, Lehre und Erziehung (18). Im Landkreis Oder-Spree sind darüber hinaus 1069 offene Stellen angezeigt, allein 69 davon in der Logistik und in der Sicherheitsbranche.