In der ehemaligen Ostquell-Brauerei beginnt in dieser Woche der erste Teil einer Baumaßnahme, die über drei Jahre läuft. Im Zuge des deutsch-polnischen Projektes „Natura Viadrina +“ werden zunächst Keller, Dach, Mauerwerk und Stahlträger des Fledermaus-Quartiers gestützt.
Wie ein Kind sei die Baumaßnahme in der ehemaligen Ostquell-Brauerei für alle Beteiligten, beschreibt es Weronika Karbowiak vom Landschaftspflegeverband Mittlere Oder. „Ein kleines Baby, aber ein großes Projekt“, sagt sie lachend. Und in der Tat: Bis zum Baubeginn in dieser Woche war es ein langer, nicht einfacher Weg, der viel Geduld und Einsatz verlangte. Bereits 2009 wurde der erste Antrag auf Förderung vorbereitet. Nun soll bis September der erste Abschnitt, der sogenannte Eisgenerator, in dem früher Getränke lagerten, gesichert werden. Von einer Restaurierung kann nicht die Rede sein. Wohl aber von einer Art Renovierung des Fledermaus-Heims.
In den Gemäuern zwischen Heilbronner und Ferdinandstraße wurden bei der jüngsten Zählung im Januar dieses Jahres etwa 1600 Fledermäuse ausgemacht – von Oktober bis März überwintern sie dort. Die Gebäude sind anerkanntes Fledermaus-Quartier. „Das bleibt auch so“, sagt Projektleiterin Weronika Karbowiak. Deshalb wird nun statisch konstruktive Sicherung vorgenommen: Bitumenkork wird aus dem Keller des Eisgenerators geräumt – den vertragen Fledermäuse nicht – Stahlträger gestützt, Mauerwerk ausgebessert, das Dach repariert.
Allerdings bleiben die Gebäude weiter Naturschutzgebiet und Ruinen, also nicht öffentlich zugänglich. Die Arbeiten sollen einerseits das Quartier der Fledermäuse vor dem Einsturz bewahren und sichern, dass dort weiterhin wissenschaftlich gearbeitet wird. „Wir können zählen, ob die Anzahl der Fledermäuse gleich bleibt und welche Arten kommen und verschwinden“, erklärt Weronika Karbowiak.
Zu dem deutsch-polnischen Projekt „Natura Viadrina +“, das durch das Programm Interreg V A gefördert wird, gehört aber noch viel mehr: In Pniewo, etwa eine Stunde östlich von Frankfurt, gibt es Bunker in der sogenannten „Festung im Oder-Warthe-Bogen“. Dort überwintern jedes Jahr 35000 Fledermäuse. Zum Projekt gehört zum Beispiel der Tausch eines Gitters, das immer wieder Vandalismus zum Opfer fällt.
Neben Fledermäusen stehen auch andere Tiere im Fokus des Projektes: Weißstörche, Schlingnattern, zwei Schmetterlingsarten aus der Familie der Bläulinge und Rotbauchunken sollen grenzüberschreitend untersucht werden, es wird dazu deutsch-polnische Expertentreffen geben, in Landschaftsschutzparks werden Infotafeln aufgestellt. „Das Ziel ist, für alle fünf Arten ein grenzüberschreitendes Schutzkonzept zu erstellen“, erklärt Weronika Karbowiak.
Das gesamte EU-Projekt kostet 2,5 Millionen Euro, drei Viertel davon sind durch Mittel aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert. Neben dem Landschaftspflegeverband Mittlere Oder als Leadpartner sind auf deutscher Seite die Stiftung Euronatur, die Eigentümer der Brauerei ist, sowie auf polnischer Seite die Naturschutzliga LOP und die Vereinigung der Landschaftsschutzparks in der Wojewodschaft Lubuskie Partner.
In Frankfurt sind es drei Bauabschnitte in drei Jahren: Nach der Sicherung des Eisgenerators wird im kommenden Jahr im mittleren Teil gebaut und 2020, im letzten Projektjahr, im Pförtnergebäude, das am dichtesten an der Heilbronner Straße liegt. Da der Bereich Naturschutzgebiet ist, dürfen nicht mehrere Firmen gleichzeitig arbeiten.
Die Tiere jedenfalls sollen nicht gestört werden. „Aber wir wissen, dass in der Brauerei keine Wochenstuben sind“, sagt Weronika Karbowiak. Im schlimmsten Fall gibt es dennoch einen Baustopp; die Arbeiten begleitet Fledermausspezialist Norbert Bartel. Er führt auch im Rahmen des Projekts im August eine Fledermauswanderung durch.