Es ist ein ungewöhnliches Bild in diesem Jahr: Direkt an der Oder, auf dem Holzmarkt, wurde in den vergangenen Tagen das den Frankfurtern wohlbekannte Riesenrad aufgebaut. Am Freitag soll es sich ab 16.30 Uhr zum ersten Mal mit Gästen drehen – zu den Klängen der Frankfurter Fanfarengarde.

Die Schausteller hat es hart getroffen

„Ich bin ja regelmäßig hier“, sagt Schausteller Jürgen Lorenz. Das erste Mal war er zur 750-Jahrfeier 2003 in der Oderstadt. Danach immer beim Stadtfest Bunter Hering. Das musste in diesem Jahr Corona-bedingt ausfallen. „Die Schausteller hat das besonders hart getroffen, weil wirklich alles abgesagt wurde“, so Lorenz.
Einige seiner Kollegen hätten ihre Fahrgeschäfte in diesem Jahr noch nicht ein einziges mal aufgebaut. Insofern ist der Berliner froh, das jetzt in Frankfurt machen zu können. „Vorher war ich mit meiner Mannschaft und dem Riesenrad im Ostseebad Ahlbeck an der Strandpromenade“, erzählt er. Das habe sich ganz kurzfristig ergeben. Planbar sei in diesem Jahr nichts. „Wir bangen jetzt um die Weihnachtsmärkte“, blickt der Schausteller voraus.
Dabei gibt es durchaus auch andere Möglichkeiten, so eine Kirmes zu gestalten. „In Nürnberg etwa wurden die Fahrgeschäfte auf die ganze Stadt verteilt, was gut funktioniert hat“, weiß er von Kollegen.

Instandhaltung und öfter zu Hause

Zwiespältig ist die Corona-Erfahrung von Lorenz’ langjährigem Mitarbeiter Bielonko Leszek. „Ich konnte seit vielen Jahren erstmals wieder regelmäßig am Wochenende zu Hause, bei meiner Familie sein. Ich habe zwei Kinder, die haben sich gefreut“, so der Pole.
Die Schausteller haben die Zeit des Lockdown genutzt, um Instandsetzungsarbeiten am Riesenrad auszuführen. Jürgen Lorenz hat auch die Möglichkeit der Kurzarbeit für seine Mitarbeiter genutzt.
Jetzt endlich konnten die drei Sattelschlepper mit ihren Aufliegern wieder das heimische Grundstück verlassen. Die drei Sattelanhänger stehen nun am Oderufer dicht beieinander und bilden das sichere Fundament für das Riesenrad. Etwa 100 Tonnen wiegt der Stahlkoloss. So viel wie 50 Pkw übereinander.

Grandioser Blick aus 33 Metern Höhe

Aus den Gondeln bietet sich den Fahrgästen ein weiter Blick über die Oder, Slubice und Frankfurt. Schließlich liegt der höchste Punkt des Rades bei 33 Metern.
„An der Ostsee“, so Jürgen Lorenz jüngste Erfahrung, „waren die Menschen sehr dankbar, dass wieder etwas passiert“. Er hofft, dass auch die Frankfurter und Slubicer Spaß an der Rundfahrt in luftiger Höhe haben.
Natürlich werden auch am Riesenrad aktuelle Hygieneanforderungen umgesetzt. So kann man sich vorm Betreten und beim Verlassen des Riesenrades die Hände desinfizieren. Keine Gondel wird mit nicht zusammen gehörenden Menschen besetzt. Gewünscht hätte sich Jürgen Lorenz, dass noch ein Fahrgeschäft oder ein Stand mit Süßigkeiten oder Ähnliches in der Nähe des Riesenrades möglich gewesen wäre.
Am Donnerstag war Tüv-Abnahme für das Riesenrad am Holzmarkt in Frankfurt (Oder).
Am Donnerstag war Tüv-Abnahme für das Riesenrad am Holzmarkt in Frankfurt (Oder).
© Foto: René Matschkowiak
Laut dem Veranstaltungsmanager und langjährigen Bunter-Hering-Verantwortlichen Robert Reuter sollte das ursprünglich auch so sein. „Wir hatten eine größere Veranstaltung geplant“, sagt er. Doch aufgrund neuer Corona-Bestimmungen war das nicht möglich. Lorenz hofft, dass das Kartoffelhaus und andere Gastronomiebetriebe in der Innenstadt vom Riesenrad profitieren und umgekehrt.
„Ein Sommerausklang mit Riesenrad“, sagt Reuter, „das passt perfekt, wenn man sich den Wetterbericht für das Wochenende und die nächste Woche anschaut“. Warmes Spätsommerwetter ist angekündigt und so werden auch die frühen Abende mit einem dann beleuchteten Riesenrad ein echter Hingucker. Täglich bis 21 Uhr und bis einschließlich Sonntag, dem 20. September, soll sich das Riesenrad drehen. Das Fahrticket kostet 5 Euro für Erwachsene und 3 Euro ermäßigt.