Zu einem gelungenen Ausflugwochenende gehört eine ausgewogene Mischung aus Aktivität, neuen Erkenntnissen und genussvoller Erholung. All das findet sich direkt vor den Toren von Frankfurts polnischer Nachbarstadt Słubice, erreichbar und leicht miteinander zu verbinden für Radelnde, Spazierende sowie weniger Mobile, die mit dem Auto ins Grüne fahren.
Von Słubice führt die verlängerte Sportowa-Straße vom Stadion aus über einen gut befestigten Feldweg fünf Kilometer direkt bis zum Reiterhof Rancho. Das seit 28 Jahren von der Familie Świderski geführte Anwesen besteht aus Pferdeställen und -weiden, einer Reithalle, mehreren Übernachtungsbungalows für Gäste, kleiner Bar und Lagerfeuerstelle am Strand. Nur der See dazu ist ausgetrocknet, denn die Wojewodschaft Lubuskie ist eine der am stärksten von sommerlichen Dürrezeiten betroffenen Regionen Polens.
Karol Świderski ist hier für den Reitbetrieb zuständig. Er bietet hier individuelle und Gruppenreitstunden an, auch für absolute Anfänger, auch auf Deutsch. Von den über 40 Pferden des Hofes − seit Frühjahr sind zwei Fohlen dazugekommen − sind 12 für die Reitstunden trainiert.
Ein Haus in Drzecin bei Frankfurt (Oder)
Ein Haus in Drzecin bei Frankfurt (Oder)
© Foto: Peggy Lohse

Dorfspaziergang ums Drei-Sterne-Forsthaus

Die nach dem Reiten wohlverdiente Mahlzeit gibt es dann genau am anderen Ende des Dorfes Drzecin − vier Kilometer weiter, versteckt im Wald, auf einem Hügel hinter den Agrarhallen: Aus dem alten Forsthaus-Anwesen hat die heutige Besitzerfamilie die moderne Ausflugspension „Leśniczówka” aufgebaut. Ein paar EU-Fördermittel haben sie dabei unterstützt. Nun bieten sie hier täglich ab 15 bis 21 Uhr im Restaurant lokale Küche mit regionalen, sehr fleischlastigen Speisen − von Piroggen mit Gänsefleisch für 25 Złoty bis zum großen Wildschweingulasch für 48 Złoty.
Die Ausflugspension Leśniczówka in der Nähe von Drzecin
Die Ausflugspension Leśniczówka in der Nähe von Drzecin
© Foto: Peggy Lohse
Ihren Saal vermieten sie für Konferenzen und Feierlichkeiten aller Art. Kinder können sich auf zwei Spielplätzen austoben: auf dem Gelände in Sichtweite oder auf dem sportlicheren Waldparcours vor dem Pensionsareal.
Nach einem ausgiebigen Abendspaziergang durch den umliegenden hügeligen Forst, die weiten Oderwiesen oder zum aktuellen Deichbaustand wartet dann ein frisch gemachtes Bett in der Drei-Sterne-Pension des Forsthauses. Ein Doppelzimmer kostet pro Nacht ab 53 Euro, Einzelzimmer ab 40 Euro, Dreibettzimmer ab 70 Euro, gebucht werden kann per Telefon oder E-mail, aber auch bequem über das Reiseportal booking.com.

Wiesentouren zu Fuß oder auf Rädern

Gut ausgeschlafen und ausgiebig gefrühstückt bietet sich dann ein kleiner Naturkunde-Ausflug nach Owczary an. Auf der viel befahrenen Landstraße sind es bis dahin 11 Kilometer, über ruhigere und sicherere Feldwege etwa 15 Kilometer. Dort trifft man höchstens einen Traktorfahrer an.
Radeln durch die Oderwiesen bei Slubice
Radeln durch die Oderwiesen bei Slubice
© Foto: Peggy Lohse
Die Felder und Wiesen an der Oder und die Wälder der angrenzenden Hügelketten gehören sonst eher der vielfältigen Tierwelt. Raubvögel sitzen am schattigen Waldrand und jagen Nagetiere auf dem Feld, Waschbären huschen überrascht über den Weg. Es zwitschert, summt und blüht an allen Ecken. Warum das so ist, erklären dann genauer das Wiesenmuseum in Owczary und der dazugehörige Lehrpfad über die sogenannten xenothermischen Rasenlandschaft.

Wo die Eiszeit ein Stück Steppe hinterließ

Vom Museumsvorplatz aus führt ein 3,5 Kilometer langer Lehrpfad mit dreisprachigem Online-Audioguide über die außergewöhnlichen Oderhänge, die ein ganz anderes Bild abgeben als beispielsweise die berühmten Adonisröschenhänge bei Lebus auf deutscher Seite. Das liegt, so lernt man unterwegs, an der Ausrichtung gen Südwesten. Die vielen Sonnen- und Windstunden lassen den Boden austrocknen und so entsteht eine steppenähnliche Landschaft, eine Trockenrasenkultur, die sich dennoch durch eine große Artenvielfalt an Insekten, Vögeln, Sträuchern und Blühgräsern auszeichnet.
Das Wiesenmuseum in Owczary.
Das Wiesenmuseum in Owczary.
© Foto: Peggy Lohse
Und zwischen den Erkundungen der Schluchten und steilen Anstiegen, wie sie die letzte Eiszeit, die sogenannte baltische Nordvereisung, bei ihrem Rückzug gen Norden hinterlassen hat, sowie der Suche nach den hier weidenden Schafen, stößt man natürlich auch hier auf historische Spuren der komplizierten Grenzraumgeschichte: Künstliche Abzugsgräben und mehrere Kleingebäude sind noch aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs erkennbar.

Nützliche Tipps für die Anreise

Ausflug für 1 bis 3 Tage
Radstrecke: 45 bis 55 km
Auto: alle Punkte sind per Auto erreichbar und bieten eigene Parkmöglichkeiten
Alternative Verkehrsmittel: Busse von Słubice nach Kostryzn nad Odrą, Dębno, Ośno Lubuskie verkehren alle über Drzecin und Owczary
Der Museumsbesuch, wo man mit Mitarbeiterin Ewa Drewniak und vielen Infotafeln noch einmal die theoretischen Grundlagen vertiefen kann, kostet 3 bzw. ermäßigt 1,50 Złoty. Im Anbau des Museums gibt es einfache Übernachtungsmöglichkeiten in Ein- bis Zwölfbettzimmern für 20 bis 60 Złoty pro Nacht und Person. Auf seiner Facebookseite informiert der hiesige Naturfreundeclub regelmäßig über aktuelle Veranstaltungen: von thematischen Wanderungen bis zu Trommelkursen.
Oderwiesen bei Slubice
Oderwiesen bei Slubice
© Foto: Peggy Lohse

Stärkung zur Rückfahrt auf dem Oderdeich

Wer sich nun von Owczary aus auf den Rückweg nach Słubice oder gar Deutschland macht, möge sich noch eine schlichte Stärkung gönnen. Am Ortsausgang von Owczary meldet ein unauffälliges gelbes Schild: „Obiady domowe”. Hier bietet Inhaberin Maria Mikulska in echter Wohnzimmeratmosphäre und auf schattig-regensicherer Terrasse wirklich hausgemachte Mittagessen, selbstgeklebte Piroggen mit Kartoffeln und Quark oder Fleisch sowie Getränke für maximal 17 Złoty pro Gericht.
Bei Maria Mikulska gibt es hausgemachte, selbstgeklebte Piroggen.
Bei Maria Mikulska gibt es hausgemachte, selbstgeklebte Piroggen.
© Foto: Peggy Lohse
Mit diesem Energiepuffer im Magen kann es dann auch über den klassischen Oderdeich die knapp 20 Kilometer zurückgehen zum Startpunkt in Słubice. Wer genug Kraft hat, dreht zuvor noch eine Runde zum ehemaligen Grenzkontrollturm in Górzyca. Hochklettern kann man leider nicht mehr, weil wohl aus Sicherheitsgründen die unterste Leiteretappe abgenommen wurde. Dort im Ort gibt es auch noch einmal Einkaufs- und weitere Einkehrmöglichkeiten.
Es führt aber auch direkt von Owczary ein Feldweg zum Deich, wo im besten Fall der Rückenwind die radelnden Ausflügler beschwingt zurück in die Doppelstadt schiebt.