Tausende von Fundstücken haben die Archäologen zu Tage gefördert, seit im vergangenen Sommer auf dem Grundstück der ehemaligen Häuser Große Oderstraße 25 bis 28 die Ausgrabungen begannen. Die ältesten Funde stammen aus der mittleren Steinzeit um 6000 v. Chr., die meisten aber aus der Zeit nach der Stadtgründung im 13. Jahrhundert. Was geschieht mit all diesen Artefakten? "Die sind Eigentum des Landes", erklärt Grabungsleiter Matthias Antkowiak von der Berliner Grabungsfirma Archaeofakt. Er und sein Team finden und sammeln, bereiten auf, fotografieren, beschreiben und inventarisieren. Dann wandern die Funde ins Depot des Landesamts für Denkmalpflege, wo sie zum Beispiel Forschern zur Verfügung stehen.
Obwohl: Einige Stücke seien dabei, die Museumswert haben könnten. Scherben von venezianischem Glas aus dem 16. Jahrhundert zum Beispiel und zahlreiche aus dem Rheinland importierte Ofenkacheln. Auch Holzteile von Möbeln aus der Renaissance haben die Archäologen gefunden, darunter das verzierte Seitenteil einer Sitzbank.
Mittelalterliche Drainagerohre
Viele der Funde müssen aufwendig erhalten werden, weil sie jahrhundertelang im Wasser gelegen haben – wahrscheinlich um die Zeit des Dreißigjährigen Krieges herum war unter anderem der Stadtgraben zugeschüttet worden. Das trug dazu bei, dass der Wasserspiegel im Boden stieg und die alten Keller überschwemmt wurden, inklusive der mittelalterlichen Drainagerohre aus Holz. Die Anwohner behalfen sich, schütteten die Keller, teilweise mit Müll, zu und legten darüber einfach neue an.
Wie viele Funde genau die Archäologen gemacht haben, kann selbst der Grabungsleiter nicht sagen: Allein die Zahl der Scherben gehe in die Tausende. Außerdem wurde die Fundstelle mit aufwendigen Verfahren sehr präzise vermessen. Könnte man diese Daten verwerten, um ein 3D-Modell der mittelalterlichen Häuserzeile zu erstellen? Grundsätzlich schon, sagt Antkowiak. Aber das wäre ein enormes Unterfangen; die dafür zu analysierende Datenmenge sei riesig. Nichts, was in Zeit- und Kostenplan der Grabungsfirma passt.
Als Baustart ist jetzt der Spätsommer 2020 angepeilt – ein Jahr später als geplant. "Wir haben aber mit Verzögerungen gerechnet, alles ist im Rahmen", sagt Jan Eckardt, Geschäftsführer der Wowi. Es sei geplant, die Ergebnisse der Grabungen später in einer Ausstellung zu präsentieren.