Großbaustelle Bahnhofstunnel: Seit Montag können Autofahrer ohne Schleichwege wieder bis zum Bahnhofsvorplatz rollen. Doch Verkehrseinschränkungen bleiben. Die Bahn baut ab Mittwoch auch eine Baustraße zur Eisenbahnüberführung am Güldendorfer Mühlental. Die Anwohner sind skeptisch.
Der Schleichweg Ferdinandstraße/Klenksberg hinauf zum Bahnhofsvorplatz ist passé: Seit Montag rollt der Autoverkehr von der Heilbronner Straße bis zum Bahnhof. Mit kleinen Einschränkungen und einer Rot-Ampel oberhalb der Bahnhofsstraße, weil am Straßenrand Platz für Medien geschaffen wird. „Ähnliches passiert derzeit in der Dresdener Straße, direkt am Bahnhofstunnel“, informierte gestern Uwe Brettin (53), Leiter Baubüro/Bauüberwachung der DB Mobility Logistics AG. Dort habe man in der Nacht zum Dienstag sogenannte Verbauarbeiten durchgeführt: Die Medien werden umgeleitet, ohne die durch den Tunnel fahrenden Straßenbahnen zu behindern.
Michael Ebermann, Chef der Stadtverkehrsgesellschaft, sprach am Dienstag von einem „großen Verständnis, das wir den Frankfurtern abringen müssen“, denn der Bahnhofstunnel wird komplett abgerissen und bis 2014 neu gebaut. Somit gebe es an diesem Nadelöhr, das zu gegebener Zeit auch komplett gesperrt sein wird, hin und wieder Veränderungen im Straßenbahn- und Busverkehr. Doch es lohne sich, die Baustelle zu ertragen, machte Ebermann Mut. Das jetzt 86 Jahre alte Überführungsbauwerk, wie der Bahnhofstunnel offiziell heißt, wird danach ein lichtes, schönes Bauwerk, „auf das Frankfurt stolz sein wird“, ist sich Ebermann sicher.
„Im Zusammenhang mit den Bauarbeiten gibt es keine Pläne, einen Verbindungsweg vom Bahnsteigtunnel zum Dresdner Platz zu bauen“, informierte Gisbert Gahler, Sprecher der DB Mobility Logistics AG, auf MOZ-Anfrage. Leser wie Evi Jost und Christlieb Hemmerling hatten gehofft, dass ein alter Traum endlich in Erfüllung gehe.
Gahler informierte, dass der Fußgängerverkehr bei Montage- und Demontagearbeiten im und am Bahnhofstunnel in einem Schutzgang durch die überführte Dresdner Straße geleitet wird – von kurzen Unterbrechungen einmal abgesehen.
Ab heute rollen erste Baufahrzeuge Richtung Güldendorf, um Am Zwickel und im Mühlental eine Baustraße auch für 40-Tonner zur angrenzenden Eisenbahnüberführung zu bauen. Sie wird aufwändig saniert. Anwohner zeigten sich gestern skeptisch. Denn in einem Flugblatt, das am Wochenende in ihren Postkästen steckte, wurde „nur sehr vage, nicht konkret informiert, was passiert“, erklärte gestern eine Betroffene, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Baubüro-Chef Brettin erklärte, dass die Baumaßnahme das sogenannte Planfeststellungsverfahren passiert habe und alles rechtens sei. Der zuständige ARGE-Bauleiter Frank Schumann ergänzte: „Wir werden die Belastung für die Anwohner so gering wie möglich halten.“
MOZ-Leser Bernd Erfurth lebt mit seiner Frau seit fast 18 Jahren im Mühlenweg 47 am Alten Wasserturm. Mit Freude habe er gelesen, dass in seinem Wohnbereich die Bahn den Bau von Lärmschutzwänden vorgesehen hat. „Schwer beladene Güterzüge lassen bei hohen Geschwindigkeiten das Haus erzittern.“ Wird sich das ändern? Gisbert Gahler: „Ja, das wird es. Die Gleise erhalten Planumsschutzschichten und Bereiche von Dämmen werden neu errichtet.“ Nach schalltechnischen Untersuchungen werden mit Hilfe der Lärmschutzwände die gesetzlichen Grenzwerte eingehalten.
Am 2. November wird auf einer Pressekonferenz das komplette Vorhaben offiziell vorgestellt. Bahnsprecher Gahler versprach, dass von den Baumaßnahmen betroffene Frankfurter zusätzlich von der ausführenden Bau-ARGE informiert werden.