Die Straßenunterführung zwischen dem Bahnhofsvorplatz und der Dresdener Straße – im Volksmund Bahnhofstunnel genannt – gleicht einer Kraterlandschaft. Bis zu 15 Zentimeter 
dicke Löcher im Asphalt, in denen sich dreckiges Schmelzwasser gesammelt hat, bilden ebenso eine Gefahrenquelle wie aufgeworfene Asphaltblasen. Vor allem im Gleisbett der Straßenbahnen, die Alt- und Neuberesinchen mit dem Bahnhof und dem Zentrum verbinden, lauern die Feinde von Autoreifen, Stoßdämpfern und Achsen. „Wir können nicht mehr verantworten, dass hier Verkehrsteilnehmer durchfahren, ohne an ihrem Fahrzeug Schaden zu nehmen“, erklärte der städtische Verkehrsrechtler Aribert Dose. Die Schadensan-
sprüche der Kraftfahrer seien sonst quasi programmiert.
Tiefbau-Amtsleiter Frank Herrmann berichtete, er habe am Montag mit seinem Straßeninspektor den Tunnel durchfahren und ihn sofort sperren lassen. Mit Bitumen zu flicken wäre „ein reines Provisorium“. Nach dem Verständnis seines Amtes liege die Verantwortung für das zerstörte Gleisbett auch bei der Stadtverkehrsgesellschaft (SVF).
SVF-Verkehrsleiter Fred Bernau berichtete, dass am gestrigen Vor-Ort-Termin auch Vertreter einer Baufirma teilnahmen. „Wir werden die Verantwortung nicht wegschieben und gemeinsam mit dem Tiefbauamt eine Lösung finden“, versicherte er. Aus seiner Sicht kann mit den Sanierungsarbeiten „nicht vor März“ begonnen werden.
Der Bahnhofstunnel ist für Fahrzeuge aller Art gesperrt. Einzige Ausnahmen: Busse und Straßenbahnen frequentieren ihn wie gehabt und zu unveränderten Abfahrtszeiten. Bernau: „Der öffentliche Nahverkehr hat uneingeschränktes Passagerecht.“
Wolfgang Herrmann vom Funktaxi-Verein befürchtet, dass durch die Sperrung einige seiner Fahrgäste „nicht glücklich werden, wenn sie für Umwege mehr bezahlen müssen.“ Aus seiner Sicht wurde es allerhöchste Zeit, dass den Schlaglöchern der Garaus gemacht wird. „Ich glaube, das die Wassermassen, die in den tiefer gelegenen Tunnel schießen, viel Schaden angerichtet haben. Wenn dann noch der Frost dazu kommt...“ Auch die schweren Straßenbahnen hätten dem maroden Asphalt im Gleisbett sicher zugesetzt.
Anwohner von Altberesinchen, die über die Sperrung auch nicht froh sind, beklagten gestern, dass zahlreiche Autofahrer die Verbots- und Hinweisschilder missachten und den Tunnel trotzdem passieren. Polizeisprecher Detlef Lüben mahnte zur Einhaltung der Verbotsregelungen. Wer erwischt werde, müsse mit einer Ordnungsstrafe in Höhe von zehn Euro rechnen.
Den städtischen Politessen sind hingegen die Hände gebunden, um Verkehrssünder mit Knöllchen abzustrafen. „Wir dürfen nicht in den fließenden Verkehr eingreifen“, argumentierte Ingrid Strauch, Sachbearbeiterin verkehrsrechtliche Angelegenheiten.
Auch die „ewige“ Baustelle Leipziger Straße zwischen Baumschulenweg und Pillgramer Straße wird das städtische Tiefbauamt noch Wochen beschäftigen. Das „Nadelöhr“ – der Verkehr fließt nur stadtauswärts – bleibt nach Auskunft von Henrik Waskow auch weiter eins. „Wir müssen uns alle in Geduld üben und können erst mit der Arbeit anfangen, wenn es die Witterung zulässt.“