Die deutschen Ausdauerfahrer drehen  in der Oderlandhalle ihre Runden, die indische Mannschaft macht gerade Pause. Vor der Halle bauen die Briten ihre Räder zusammen, pumpen Luft in die Reifen. Es wirkt alles beschaulich am Sonnabendmorgen am Olympiastützpunkt, gut organisiert, fast ein bisschen alltäglich.
Doch in Frankfurt steht eine internationale Sportpremiere unmittelbar bevor: Von Mittwoch bis Sonntag wetteifern 313 Bahnradspezialisten aus 48 Nationen bei den Junioren-Weltmeisterschaften um Titel und Medaillen. Zehn Disziplinen im Kurzzeit-  und Ausdauerbereich sowie Omnium stehen auf dem Programm, nach den Qualifikationen am Vormittag folgen ab den späten Nachmittagsstunden die Finals.
Inder schon fünf Wochen hier
Nach der Anreise können die Mannschaften, die über eine Agentur fast alle in Slubice untergebracht sind, seit Sonnabend trainieren. Die Kanadier fühlen sich wohl: "Ich habe gehört, dass die Bahn vom selben Architekten wie unsere Bahn in Milton designt wurde", erzählt Trainer David Jack. In der Stadt nahe Toronto befindet sich das nationale Radsportzentrum des Landes, auf der Bahn werden Weltcups ausgetragen. Die Kanadier, mit drei Kurzzeitfahrern und zehn Ausdauerspezialisten angereist, hegen in Frankfurt realistische Hoffnungen auf eine Medaille. "Riley Pickrell war im vorigen Jahr in der Schweiz Vierter im Scratch. Er hat jetzt die größten Chancen im Team. Für die anderen ist die Teilnahme wichtig, um Erfahrungen zu sammeln", sagt Jack.
Während fast alle Nationen in der vorigen Woche angereist sind, genießen die sechs Inder mit dem Keirin-Vizeweltmeister des Vorjahres Esow Alban schon fast einen Heimvorteil. Nach Rennen in Cottbus zog die Mannschaft Anfang Juli aufs Areal an der Kieler Straße, erzählt Cheftrainer Rajendra Kumar Sharma. Mit einem fast schüchternen "Guten Morgen" grüßt ein junger Mann auf Deutsch. "Ja, ein paar kleine Wörter haben wir gelernt", sagt der Coach und dass sie rund um Frankfurt und in Polen unterwegs waren. "Es ist hier alles so ruhig, friedlich, kein Stress". Schon das vierte Mal weilt er mit Junioren über den Sommer an der Oder, um der Hitze in Indien mit bis zu 45 Grad Celsius zu entfliehen.
Täglich anderthalb Stunden zu unterschiedlichen Zeiten können die Mannschaften nach vorgegebenem Zeitplan des Weltverbandes UCI bis Dienstag trainieren. "Das reicht aus. Dazu kommt ja das Warm- und Ausfahren auf der Rolle", erklärt Tim Zühlke, deutscher Junioren-Bundestrainer der männlichen Ausdauerfahrer. Für die jungen Damen kann sein Kollege Lucas Schädlich vermelden, dass alle gesund und verletzungsfrei sind. "Eine leichte Vorspannung macht sich breit." Die Kurzzeitspezialisten eingeschlossen, stellt Deutschland ein 20-köpfiges Aufgebot, ist in allen Wettbewerben vertreten und hegt mehrfache Medaillenhoffnungen.
FRC 90 organisiert Event
Vor allem beim Training und Erwärmen auf der Straße wird man die jungen Sportler im Norden der Stadt und damit die Weltmeisterschaften öffentlich wahrnehmen. Weil sich vor den Landtagswahlen schon ein Plakat neben dem anderen an Masten und auf Freiflächen drängt, nutzen die Organisatoren des FRC 90 andere Wege für Werbung. "Der Vorverkauf ist vielversprechend mit 500 Kombi-Tickets und 150 Tageskarten. Wir freuen uns, mit der Junioren-WM ein neues Highlight in die Stadt zu bringen", sagt Cheforganisator Dan Radtke, der im Auftrag des Bundes Deutscher Radfahrer agiert. Viele Reservierungen sind aus dem Ausland eingegangen – von Eltern, die ihre Kinder anfeuern wollen. Danach werden einige Familien noch in Deutschland bleiben, weiß der Kanadier Daniel Jack. Vorher ist für Sightseeing keine Zeit.

Kartenvorverkauf und Zeitplan

Tickets: Eine Tageskarte kostet 11 Euro, ein Fünf-Tagesticket 44 Euro (keine Ermäßigung)

Vorverkauf: beim Märkischen Medienhaus – Ticketservice, Kellenspring 6, 15230 Frankfurt, Tel. 0335 66 599 558, Internet https://shop.moz.de/Tickets, weitere Karten an der Tageskasse der Oderlandhalle (Barzahlung)

Disziplinen/Zeitplan/Parken: auf der Homepage www.jwm-frankfurt.de