Die SVF, die jährlich rund 10 Millionen Fahrgäste befördert, hatte den Kauf zusammen mit den Verkehrsbetrieben in Brandenburg an der Havel und Cottbus ausgeschrieben. Es geht um insgesamt 45 Bahnen. Neben einem Preisvorteil erhoffen sich die Unternehmen auch günstigere Folgekosten von der gemeinsamen Beschaffung. Allerdings war der technische Abstimmungsbedarf groß. Die Veröffentlichung im Europäischen Amtsblatt liegt nunmehr eineinhalb Jahre zurück. Drei Hersteller legten bis zum Frühjahr 2019 finale Angebote vor. Die Erteilung erfolgte dann nach zuvor klar festgelegten Kriterien, "die nur einen minimalen Spielraum bei der Entscheidung lassen", so Christian Kuke.
Der SVF-Geschäftsführer zeigt sich trotz des Widerspruchs optimistisch, dass die Verträge bald unterzeichnet werden können. Und ab dem Sommer 2021 die ersten modernen Bahnen auf den Gleisen der Stadt unterwegs sein werden. Welches Unternehmen sich durchgesetzt hat, soll erst bekannt gegeben werden, sobald Rechtssicherheit besteht.
Die neuen Fahrzeuge ermöglichen auch körperlich eingeschränkten Fahrgästen die Mitfahrt. Von der Umsetzung der EU-Verordnungen für mehr Barrierefreiheit im Öffentlichen Personennahverkehr profitieren aber auch Familien mit Kinderwagen, Senioren mit Rollatoren oder Reisende mit Gepäck. Zugleich werden die Bahnen mehr Komfort bieten und geräuschärmer durch die Stadt rollen. Aktuell hat die SVF 18 Hochflurbahnen aus dem Jahr 1987 sowie acht Niederflurbahnen, Baujahr 1994, im Bestand – nur letztere sind barrierefrei.
In kleinen Schritten geht auch der barrierefreie Ausbau der Haltestellen im Stadtverkehr voran. Vor einigen Wochen ging die neue Kombi-Haltestelle in der Karl-Marx-Straße in Betrieb. Im kommenden Jahr sollen die Haltestellen am Stadion und am Anger modernisiert werden, informiert der SVF-Geschäftsführer. Umbauten seien auch an den Haltestellen in der Lebuser Vorstadt geplant, ob jedoch schon 2020, stehe noch nicht fest. Eine weitere Herausforderung seien die Haltestellen in der August-Bebel-Straße in West. "Der Raum dort ist sehr knapp, aber wir arbeiten mit der Stadt an einer vernünftigen Lösung."
Ein zwischen Stadt und SVF abgestimmtes Umbauprogramm ging Anfang 2018 von notwendigen Umbauten an über 100 Haltestellen in der Stadt aus, darunter 36 Tram- und Kombi-Haltestellen und 70 Bus-Haltestellen. Die Gesamtkosten für die Herstellung der vollständigen Barrierefreiheit an allen Haltepunkten in der Stadt wurden seinerzeit auf 12 Millionen Euro beziffert.