Es ist ein Vorhaben der kleinen Schritte, ohne zeitlichen Druck, aber schon konkret, das Vorstand und Trainer der Frankfurter Leichtathleten angehen wollen. Seit diesem Jahr beschäftigen sie sich damit, inwieweit behinderte Kinder im Verein trainieren können. Anfangs will man sich denen mit körperlichen Handicaps öffnen.
Als Erstes werden Trainer an der Qualifikationsinitiative "Teilhabe-Vielfalt-Bewegung-Inklusion" ab 24. Mai in Frankfurt teilnehmen. Ebenfalls im Mai ist geplant, im Para-Zentrum in Cottbus beim Training zu hospitieren und im August bei den Nordostdeutschen Meisterschaften in Kienbaum zuzuschauen. Der Stadtsportbund plant darüber hinaus nach den Sommerferien mit  mehreren Vereinen einen Talenttag Behindertensport, wie er in anderen Städten bereits stattfindet – um den Bedarf zu ermitteln. Wenn erste Kinder mit Behinderung beim Sportclub trainieren, will das Para-Zentrum einen hauptamtlichen Trainer einmal die Woche nach Frankfurt entsenden. Den gesamten Prozess wird Victoria Fritzsche vom SSB begleiten.
Dies sind wesentliche Ergebnisse der Beratung zwischen dem SC Frankfurt, Anke Reimann, Geschäftsführerin des Behindertensportverbandes Brandenburg, dem Leiter des Para-Zentrums Cottbus Ralf Paulo und Stefan Köber, Geschäftsführer des Stadtsportbundes. Sie trafen sich während des Trainingslagers der Leichtathleten in Senftenberg.
"Wir sind durch Stefan Köber auf das Thema gestoßen. Für mich war klar, dass wir die Ideen des SSB unterstützen. Wir sind vielfältig, aufgeschlossen, neugierig und haben ein tolles Trainerteam, das dahintersteht. Sport für Behinderte geht noch mit viel Verständnislosigkeit einher", betont die Vorsitzende des SC Frankfurt Sandy Wojahn. Schon vor Jahren trainierte ein gehandicapter Erwachsener beim SC.
Natürlich gab es Fragen und Bedenken. So sind fast alle Turnhallen und das Funktionsgebäude am Sportplatz Kieler Straße nicht barrierefrei: Podeste am Eingang und schmale Türen zu den Toiletten sind für Rollstuhlfahrer nicht zu meistern. "Und es geht darum, wie man Kinder mit Behinderungen trainiert. Mich hat sehr nachdenklich gemacht, was Anke Reimann erzählte: Dass zum Beispiel Kinder mit einem Klumpfuß vom Arzt eine Sportbefreiung erhalten, weil Sportlehrer nicht geschult sind. Aber vielleicht wollen diese Kinder ja Sport treiben", nennt Wojahn ein Beispiel. Die Cottbuser hätten aufgrund ihrer jahrzehntelangen Erfahrungen mit Para-Sport viele Hinweise geben können, bis dahin, welche technischen Hilfsmittel es gibt. "Für bauliche Veränderungen braucht man die Stadt als Partner, da bei einer Förderung immer ein Eigenanteil zu leisten ist", nennt Ralf Paolo eine Prämisse. Für den Talenttag sei man auf die Werbung durch Schulleiter und Sportlehrer angewiesen: "Wir mussten schon Termine absagen, hatten dann wieder bis zu sechzig Kinder dabei."
Stefan Köber schätzt ein: "Wir schieben einen Prozess an, der langwierig sein wird. Am Ende stehen eine verbesserte Sportlandschaft in Frankfurt, eine Erweiterung des Talentsichtungsystems und eine stützpunktbezogene Förderung des SC in Aussicht."