Der Wert der Sulfatbelastung des Trinkwassers hat die 200er-Marke geknackt. Genau 201 Milligramm je Liter (mg/l) hat die Aqua-Kommunal-Service GmbH in der aktuellen Wasserprobe vom 13. Oktober festgestellt. Damit steuert die Belastung immer schneller auf den gesetzlichen Grenzwert von 250 mg/l zu - für die Verantwortlichen bei der Frankfurter Wasser- und Abwassergesellschaft mbH (FWA) ein Grund zu großer Sorge. "Im Sommer hatten wir im Schnitt 170 bis 180 mg/l, inzwischen 180 bis 200", sagt FWA-Sprecherin Anne Silchmüller. Spitzenwerte lägen darüber. "Wir wollen und müssen die Trinkwasserverordnung aber an jedem Tag einhalten, nicht nur im Durchschnitt."
Schuld daran ist die steigende Belastung des Spreewassers, die mittlerweile höher ist als 300 mg/l und die eine direkte Folge des Braunkohlebergbaus ist. Ab 2016 sollten eigentlich 19,5 Prozent des Trinkwassers aus Brunnen in Müllrose kommen. Die FWA wollte ihr Wasserwerk in Müllrose sanieren und Leitungen nach Frankfurt bauen - für 6,2 Millionen Euro und finanziert durch den Vattenfall-Konzern, den Bergbausanierer LMBV und das Land Brandenburg. Die Pläne hätten schon 2015 realisiert werden sollen. Während jedoch Vattenfall (45 Prozent) und das Land (10 Prozent) ihre Beteiligung sofort zugesagt hatten, weigert sich die bundeseigene LMBV beharrlich, ihren Anteil von 45 Prozent zu zahlen.
"Die LMBV sieht keinen Handlungsbedarf, so lange der Grenzwert nicht überschritten wurde", erklärt FWA-Geschäftsführer Gerd Weber. "Wir fordern, dass die LMBV Verantwortung übernimmt und endlich anerkennt, dass die Sulfatbelastung der Spree weiter steigen wird." Denn Verursacher der Belastung "ist klar der Bergbau, nicht wir!"
Die FWA arbeitet seit 2008 an einer Lösung, mit der auf Spreewasser weitgehend verzichtet werden kann. Langfristig sollen neue Grundwasservorkommen erschlossen werden. Als Sofortmaßnahme bleibt aus FWA-Sicht nur die Reaktivierung des Wasserwerkes in Müllrose. Aktive Unterstützung bekommt der Versorger im Bundestag seit Jahren durch Annalena Baerbock (Grüne), im Landtag durch René Wilke (Linke) und im Braunkohlenausschuss des Landes durch Jörg Gleisenstein (Grüne). Aus dem Rathaus "kommt bisher leider nichts", bedauert Gerd Weber. "Wir müssen aber den Druck erhöhen - gemeinsam und im Interesse der Frankfurter Bürger." Wie Ausschussvorsitzender René Wilke informiert, berät der Wirtschaftsausschuss der Stadtverordnetenversammlung am 11. November zum Thema.
Ohne eine Beteiligung der LMBV müsste die FWA die Sanierung des Müllroser Wasserwerkes über Kredite finanzieren. Das würde eine Erhöhung des Wasserpreises zur Folge haben. Laut FWA müsste der Preis je Kubikmeter, sollte sich die LMBV nicht beteiligen, von 1,56 Euro auf 1,70 Euro steigen. Sollte die FWA die Maßnahme komplett allein finanzieren müssen, würde der Preis sogar um 31 Cent auf dann 1,87 Euro klettern.
Jüngste Vorschläge aus Slubice, Trinkwasser nach Frankfurt zu liefern, bezeichnet Gerd Weber als unrealistisch. "Techniker beider Wasserversorger haben das längst ausgelotet", sagt er. Zum einen reichten die Kapazitäten in Slubice bei weitem nicht aus. Zum anderen müsste eine neue Leitung gebaut werden, mitten durch beide Städte, was enorme Kosten verursachen würde, und bis zum Hochbehälter in Rosengarten, wo das Slubicer Wasser mit dem aus Briesen gemischt werden müsste. "Das Wasser aus Slubice müssten wir auch noch bezahlen", so Weber. Die Reaktivierung des Müllroser Wasserwerkes sei "die kostengünstigste und am schnellsten realisierbare Variante".