Die Stadtverkehrsgesellschaft mbH (SVF) ist unter den deutschen Betreibern von Straßenbahnlinien so etwas wie ein Exot. "Ich kenne in Deutschland keinen anderen Straßenbahnbetrieb, der eine eigene Brücke über die Autobahn hat", sagt SVF-Geschäftsführer Wolfgang Worf. Ein Grund zur Freude ist dieses Alleinstellungsmerkmal aber nicht - ganz im Gegenteil. Denn die Betonbrücke, über die Frankfurts Straßenbahnen auf dem Weg von und nach Markendorf die Autobahn A 12 überqueren, muss abgerissen und neu gebaut werden. Für die Kosten muss der Eigentümer - also die SVF - aufkommen.
Dabei ist die Brücke, die ausschließlich auf Gleisen befahren werden kann und deren Überbau auf zwei Widerlagern sowie einem Mittelpfosten ruht, noch nicht mal 30 Jahre alt. Erst im Dezember 1986 war sie fertiggestellt worden, ist auf der Internetseite www.tram-ff.de zu erfahren. Zwei Jahre später rollten dann die ersten Bahnen über sie hinweg zum damaligen Halbleiterwerk.
Schuld daran, dass das Betonbauwerk jetzt abgerissen werden muss, ist die Alkali-Kieselsäure-Reaktion - eine chemische Reaktion, die allgemein auch Betonkrebs genannt wird. Dabei werden Betonteile nach und nach zerstört, weil sich im Beton Kristalle bilden, die immer weiter wachsen (wie ein Krebsgeschwür) und den Beton Stück für Stück aufsprengen.
Bei der Straßenbahnbrücke über der A 12 sind die Fundamente der Widerlager und des Pfostens vom Betonkrebs betroffen. Messmarken an den Fundamenten, deren Werte monatlich abgelesen werden, zeigen an, wie sich die Brücke bewegt. 2017/2018 soll deshalb eine neue Brücke gebaut werden. Die Baukosten werden auf 2 bis 3 Millionen Euro veranschlagt. Getragen werden müssen die Kosten von der SVF - es sei denn, es finden sich Fördertöpfe, mit denen wenigstens ein Teil der Arbeiten finanziert werden kann. "Wir suchen da zurzeit nach Möglichkeiten", sagt Wolfgang Worf.
Wie lang die neue Brücke sein wird und wie der Bauablauf gestaltet wird, steht noch nicht fest. "Wir befinden uns noch in der Findungsphase", erklärt der SVF-Geschäftsführer. Geklärt werden muss unter anderem die Frage, ob die Brücke schon groß genug für einen möglichen sechsspurigen Ausbau der A 12 errichtet wird. Fachleute raten dringend zu einem Ausbau, in den zuständigen Ministerien sträubt man sich bislang dagegen. "Es macht wenig Sinn, jetzt eine Brücke zu bauen, die eventuell in ein paar Jahren wieder durch eine längere ersetzt werden muss", betont Wolfgang Worf. Entschieden ist außerdem noch nicht, ob der Straßenbahnverkehr für die Bauzeit unterbrochen wird oder ob die neue Brücke neben die alte gesetzt wird, so dass die Bahnen fast ohne Pause rollen können.
Die Straßenbahnbrücke über die Autobahn A 12 muss für drei Millionen Euro neu gebaut werden.