Mehr Zeit für Akklimatisierung

Schulleiter Thorsten Kleefeld sieht die Veränderung positiv. "Für die polnischen Schüler ist es gut, dass sie ein Jahr mehr Zeit haben für die Prüfungsvorbereitung in Klasse 10. Aber auch, um sich hier einzugewöhnen. Denn für sie ist ganz viel neu, wenn sie zu uns kommen. Nicht nur das Schulsystem und die Stadt. Sie kennen ja auch ihre polnischen Mitschüler noch nicht. Die meisten sind erstmals von Zuhause weg und wohnen im Internat in Słubice", sagt Kleefeld.
Die deutschen Schüler des deutsch-polnischen Schulprojekts hatten vorher seit Klasse 7 durch das Latarnia-Projekt Kontakt mit der polnischen Sprache. "Latarnia" (dt: Laterne), der wöchentliche gemeinsame Lerntag mit einer Słubicer Partnerschulklasse, kann jetzt nur noch in den Klassen 7 und 8 stattfinden, statt bisher über drei Jahre – die Kehrseite der positiven Veränderung. Die polnischen Schüler für die gemeinsamen Klassen werden vom Lyzeum in Słubice, dem Partner des Liebknecht-Gymnasiums, rekrutiert. Und zwar nicht nur in Słubice, sondern in mehreren Woiwodschaften. "Posen, Leszno, Bolesławiec, Debno", liest Maria Jaworska, Leiterin des Lyzeums, Heimatorte der neuen Schüler von einer Liste vor. Die Rekrutierung der 52 Schüler in diesem Jahr war nicht einfach, man musste ja nicht nur wie bisher um motivierte schlaue Köpfe im "Gimnazjum" für die 10. Klasse werben, sondern gleichzeitig in den achten Klassen der Grundschulen. "In den Grundschulen ist die Info noch nicht überall angekommen", sagt Jaworska. Die Kontakte müssen erst wachsen. Dennoch musste Jaworska allein neun Bewerbern für die 9. Klasse absagen.