Nach der Wende hatte es Uwe Baumann auf eine besondere Briefmarkenserie in Frankfurt (Oder) abgesehen: den Fünfjahresplan deutsch-chinesische Freundschaft von 1951, unter anderem mit Motiven zur Landvermessung und zu Mao-Tsetung. Er fand diese DDR-Marken – bei einem Besuch im Westberliner Stadtteil Neukölln.

Großtauschtag im Haus der Musik der Fanfarengarde

Diese und weitere Themenserien sowie Sammlerobjekte wie Bezirkshandstempel zeigt die Vereinigung Frankfurter Briefmarkensammler 1900 beim Großtauschtag am 18. Oktober im Haus der Musik der Fanfarengarde (Robert-Havemann-Straße 4) von 10 bis 14 Uhr. „Das Sammlertreffen dient nicht nur dem Austausch sowie dem Kauf und Verkauf von Marken. Wir wollen uns auch als Verein präsentieren und Nichtorganisierte neugierig machen, vor allem Kinder und Jugendliche“, erklärt der 1. Vorsitzende Bruno Renné. Schatzmeister Baumann verweist auf die „thematische Breite der Börse“, die sie für jedermann interessant mache.

Bis zu 60 Besucher kommen seit der Neuauflage

Dass der Wunsch nach solchen Treffen groß ist, erleben die Frankfurter seit der Neuauflage vor drei Jahren mit zirka 40 bis 60 Besuchern. Da es in der Region immer weniger solcher Veranstaltungen gibt, ist die Freude bei alten Hasen groß, mal wieder aus dem eigenen Kreis herauszukommen. „Da findet jeder wenigstens eine Kleinigkeit zum Tauschen oder Kaufen“, weiß Uwe Baumann.
Ausgelöst hat das Hobby bei ihm einst eine Brieffreundschaft mit einem Mädchen in der Sowjetunion. Er begann Briefmarken zu sammeln, vor allem Tier- und Weltallmotive. „Über die Brieffreundschaft und die Marken bin ich in die Welt hineingewachsen und konnte sie kennen lernen“, erinnert er sich und hofft auf einen ähnlichen Effekt zum Großtauschtag. Um Gäste neugierig zu machen, wird es Tische mit Briefmarken zum Mitnehmen geben.

Hobby war in DDR-Zeiten um einiges günstiger

„Vielleicht können wir Kinder über die Motive locken, etwas mehr über die Themen zu erfahren und sie so für die Philatelie gewinnen“, hofft er. Dass es nicht einfach ist, junge Menschen angesichts vieler anderer Freizeitmöglichkeiten zu gewinnen, ist ihm klar. Und dass es auch eine Kostenfrage geworden ist: „Zu DDR-Zeiten konnte man für 25 Mark alle Neuerscheinungen eines Jahres erwerben, heute muss man für einen Jahrgang und für die selbstklebenden neuen Marken an Automaten sowie die mit einer anderen Zähnezahl schon mal 150 Euro ausgeben“, erzählt er.
Wer mit Uwe Baumann und Bruno Renné ins Gespräch kommt, merkt schnell, dass nicht allein das Sammeln der Philatelie-Objekte faszinierend ist. Es sind vor allem die Geschichten hinter den Motiven und Stücken. Der ehemalige Pädagoge Bruno Renné fühlt sich schon seit einem halben Jahrhundert von Sukkulenten und Kakteen angezogen. „Man kann sich hier mit so vielen Dingen beschäftigen. Aus den Motiven lässt sich gut erkennen, wie Menschen mit diesen Pflanzen umgehen“, beschreibt der 73-Jährige.

Besonders Pflanzen-Motive sind unter Sammlern beliebt

Besonders angetan hat es ihm der Afrikanische Affenbrotbaum. „Der Adansonia digitata wird auch Gesundheitsbaum genannt, weil man alle seine Bestandteile nutzen und verwerten kann“, weiß er. Im Internet sucht er auch Künstlerentwürfe zu Sukkulenten. Renné nimmt mit seinen Sukkulentensammlungen regelmäßig an Ausstellungen teil, 1988 stellte er sogar in Kuba aus.
Uwe Baumann konzentriert sich seit einigen Jahrzehnten auf zwei Ländersammlungen – die der DDR und aus Österreich. „Von Österreich habe ich die Marken von 1968 bis 2010 fast komplett.“ Der Euro hat dazu geführt, dass in fast allen Ländern Europas die Marken der Landeswährungen ungültig geworden sind. Das hat die Sammelleidenschaft bei Philatelisten zusätzlich befördert.

Druckereivermerke, Wasserzeichen und Abarten bei Farben

Baumann interessiert sich aber auch für Druckereivermerke, Wasserzeichen und Abarten bei Farben, die auf unterschiedliche Qualität der Druckereifarben hinweisen. Er zeigt Umschläge mit sowjetischem Zensurstempel und Edeka-Firmenpost aus den 1950er-Jahren und verweist darauf, dass die Poststempel nicht immer mit der Markenperiode übereinstimmen müssen. „Man beschäftigt sich mit den Hintergründen, stellt Fragen und lernt die Geschichte verstehen“, betont der 65-Jährige.
Die Ergebnisse dieser Beschäftigung werden für die Vereinshefte niedergeschrieben, gebildert und vierteljährlich veröffentlicht. Im Juni finden sich zum Beispiel Berichte über geologische Naturdenkmale auf Briefmarken und Anti-Nazi-Propaganda der Alliierten mit gefälschten Marken. Ein enormer historischer Fundus.

Monatliche Zusammenkünfte mit interessanten Vorträgen

Ihr Wissen erweitern die Mitglieder auch bei ihren monatlichen Zusammenkünften, für die sie sich Experten zu bestimmten Themen einladen und die öffentlich sind. So hat Werner Weiß vom Nabu einen Vortrag über Schmetterlinge gehalten, der Restaurator Bernhard Klemm über historische Bauten gesprochen, ein Mitglied über seine Namibia-Reise berichtet.
Mit dem Sammlertreffen will die Vereinigung auch an die Erstgründung am 29. November 1900 erinnern, die Neugründung nach dem Zweiten Weltkrieg liegt nun auch schon wieder 30 Jahre zurück.