Anmelder der Demonstration ist die Gruppe "Frankfurt (Oder) wehrt sich". Sie macht seit mehr als eineinhalb Jahren gegen Asylunterkünfte und Flüchtlinge sowohl im Internet als auch auf der Straße Stimmung. Nun suchen die Initiatoren an der Stadtbrücke offenbar den Schulterschluss mit polnischen Nationalisten und rufen unter dem Motto "Grenzen schließen, Asylflut stoppen" zur "ersten länderübergreifenden Demonstration" auf. Befürchtet werden Verbrüderungsszenen mit den polnischen Nationalisten der Gruppe "Narodowe Slubice". Sie hatte am 7. Mai in Frankfurts Nachbarstadt gegen die deutsche Flüchtlingspolitik demonstriert.
Viele Frankfurter wollen die Provokation nicht hinnehmen. Das Bündnis "Kein Ort für Nazis in Frankfurt" hat deshalb an dem Tag zu einem vielfältigen, bunten Protest aufgerufen. Für 14 Uhr ist eine Kundgebung an der Slubicer Straße geplant. Die Losung lautet: "Grenzenlose Solidarität statt grenzüberschreitendem Rassismus". Bereits ab 13 Uhr soll zudem am Bahnhof eine "antifaschistische Streetparade" starten, die mit Redebeiträgen und Musik durch die Stadt ziehen soll. Jan Augustyniak, Sprecher des Bündnisses, hofft auf möglichst viele Teilnehmer. Die deutsch-polnische Rechtsallianz sieht er derweil mit Sorge: "Dem europaweiten Rechtsruck stellen wir eine offene Gesellschaft entgegen, die nicht wegschaut." Es sei daher immer wieder aufs Neue notwendig, "rassistische Mobilmachungen mit antifaschistischem Protest zu beantworten."
Einer, der sich in jedem Fall beteiligen möchte, ist der Frankfurter Dieter Bollmann. "Ich war bei allen sechs Gegendemonstrationen in den vergangenen eineinhalb Jahren mit dabei", sagt der 79-Jährige. Der Jurist aus Frankfurt setzt sich auf vielen Ebenen - politisch und juristisch - für einen humanen und fairen Umgang mit Flüchtlingen in Europa ein. Viele Asylbewerber aus Frankfurt hat er so schon vor einer Abschiebung bewahrt. Sein jüngster Fall, den er wenn nötig bis zur höchsten Instanz durchfechten möchte: Bashir Mohammadi aus Afghanistan. Als dessen Vater von den Taliban erschossen wurde, entschloss er sich zur Flucht, aus Angst davor, dass ihm das gleiche Schicksal widerfährt. Trotzdem wurde sein Asylantrag nun vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge abgelehnt. "Das sind solche Ungerechtigkeiten", sagt er, und will dagegen genauso ankämpfen wie gegen gezielt gestreute Vorurteile gegenüber Flüchtlingen aus dem rechten Lager.
Neben engagierten Menschen des öffentlichen Frankfurter Lebens wie Bollmann ruft auch der Bundestagsabgeordnete Thomas Nord (Linke) dazu auf, die Gegenproteste zu unterstützen. "Eine deutsch-polnische nationalistische Demonstration im 25. Jahr des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrages ist eine inhumane Inszenierung. Ihr bindendes Element ist Rassismus und mit ihm der Hass auf Geflüchtete", erklärt er. Einer solchen Entwicklung müsse Widerstand entgegen gebracht werden.
Service: Die Demonstration fremdenfeindlicher Gruppen aus Frankfurt und Slubice sowie die Gegenproteste werden am Sonnabend in der Stadt laut Polizei für Verkehrseinschränkungen sorgen. So wird die komplette Slubicer Straße und damit auch die Stadtbrücke von 12-19 Uhr in beide Fahrtrichtungen für den Auto- und Busverkehr (darunter die Linie 983) vollständig gesperrt sein, Fußgänger und Radfahrer sind davon nicht betroffen. Autofahrer werden gebeten, bei Reisen nach Polen die A12 zu nutzen. Im gleichen Zeitraum ist auch die Schulstraße - von der Oderpromenade bis zur Slubicer Straße - voll gesperrt. Hier sind auch die Halteverbotsschilder zu beachten. Auch für die Franz-Mehring-Straße zwischen Wieckestraße und Rosa-Luxemburg-Straße, die Brücktorstraße ab Kleine Oderstraße sowie die Ferdinandstraße ab Gubener Straße werden am Sonnabend Halteverbote angeordnet sein.