Von Anfang Dezember an vom Bahnhof über die Haltestelle am Gräfin-Dönhoff-Gebäude nach Slubice und zurück - für Projektleiter Andreas Rein ist die Änderung der Streckenführung der vor knapp sechs Monaten gestarteten Buslinie nur konsequent. Diese gilt als am zweitstärksten frequentierte Linie innerhalb der Stadt; werktags sind damit rund 840 Fahrgäste unterwegs. Immer wieder geäußerter Kritikpunkt sei gewesen, dass der Bus entweder zur Uni oder zum Bahnhof fährt, sagt Rein. Eher als mit dem Fahrplanwechsel lasse sich die Neuerung aber nicht umsetzen, sagt er mit Verweis auf die abgestimmten Fahrzeiten von Bus, Bahn und Straßenbahn.
Insgesamt zeigt sich Rein ebenso wie SVF-Geschäftsführer Michael Ebermann zufrieden mit dem Anlauf der Linie 983, auch wenn es im Alltag noch einige Schwierigkeiten gebe. Eine davon: Aufgrund von Gesetzeslücken können die Fahrgäste der grenzüberschreitenden Linie Rein zufolge nicht überall kontrolliert werden. Im Gegensatz zu Schiff oder Flugzeug sei bei Eisenbahn und Bus nicht geregelt, dass Schwarzfahrer auch auf polnischem Territorium nach deutschem Recht zur Kasse gebeten werden können. "Im Flugzeug einer polnischen Airline ist es klar, dass es sich dabei um polnisches Territorium handelt, auch wenn es Deutschland überfliegt", macht die Jura-Studentin Anna Skopicz-Radkiewicz deutlich, die gerade ein Praktikum in der Stadtverwaltung absolviert und sich dabei speziell mit dem deutsch-polnischen Stadtverkehr beschäftigt. "Die juristischen Probleme haben wir vielleicht unterschätzt", räumt Rein ein. In vielerlei Hinsicht leisteten Frankfurt und Slubice jetzt Pionierarbeit in diesen Fragen.
Schwierigkeiten wie diese werden in der gemeinsamen ÖPNV-Arbeitsgruppe beider Städte behandelt. Geplant ist unter anderem, eine neue Haltestelle in Slubices Seelower Straße einzurichten. Die Stadtverkehrsgesellschaft bietet inzwischen auch die "Busschule" jenseits der Oder an, Informationsveranstaltungen also, in denen sich Interessierte unter anderem über die Nutzung des Fahrscheinautomaten informieren können.
Langfristig wollen beide Städte ihre Zusammenarbeit in Sachen ÖPNV intensivieren. Frankfurts Nahverkehrsplan soll gemeinsam mit Slubice fortgeschrieben werden, wie Rein ankündigt. "Ich freue mich, dass die Erwartungen in die Buslinie übertroffen worden sind", sagt der zuständige Dezernent Markus Derling (CDU). Wie es weitergeht, müsse sich zeigen. Obwohl er lange skeptisch gewesen sei, könne er sich inzwischen eine Straßenbahnlinie über die Oder vorstellen. "Die Slubicer Partner haben aber darum gebeten, das Projekt im Moment nicht aktiv voranzutreiben", sagt er. Zum einen aus finanziellen Gründen, wie der Dezernent sagt. Zum anderen, weil das Slubicer Hauptthema derzeit der Bau einer Ortsumgehung sei.