Kurz nach acht Uhr verwandelte sich am Mittwoch die Stadt in eine gefährliche Schlitterbahn. An der sogenannten Europakreuzung Richtung Grenze stand um 8.35 Uhr ein Auto mit Berliner Kennzeichen quer. Auch andere Fahrzeuge, die zu rasant die Kurve nahmen, kamen ins Schlingern. Sparkassenkunden, die keine zehn Minuten nahe der Franz-Mehring-Straße parkten, mussten an ihren Autoscheiben kratzen. Ab 
10.10 Uhr bis Mittag fuhr kein Bus mehr in der Stadt. Busfahrer Bernd Genz konnte seinen Fahrgästen am frühen Vormittag keinen sicheren Heimweg gewähren. Mit seinem Gelenkbus der Linie 980 war er am Morgen mehrmals ins Rutschen geraten. „Jeder Fahrer muss das selbst entscheiden, aber für mich ist es im Moment zu gefährlich zu fahren.“ Wie Genz stellten auch zahlreiche seiner Kollegen ihre Busse am Bahnhofsvorplatz ab und warteten mehrere Stunden auf bessere Straßenverhältnisse.
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Und auch Taxifahrer wie Wolfgang Herrmann, Sprecher des Frankfurter Funktaxi-Vereins mit 28 Mitgliedern, gaben vormittags auf. „Wir haben unseren Stammkunden, die zum Arzt gefahren werden wollten, empfohlen, alle Termine abzusagen. Die Straßen sind spiegelglatt und die Gefahr von Unfällen ist groß.“
Die städtischen Winterdienstler nutzten ihre letzten Reserven, um wenigstens die wichtigen und am meisten frequentierten Straßen zu salzen. „Die komplette Mannschaft vom Bauhof und unsere Dienstleister waren vormittags unterwegs. Die wichtigsten Straßen sind jetzt frei“, informierte Henrik Waskow vom Tiefbauamt am Nachmittag. Durch den chaotischen Dezember gab es bisher – auch für die Hausmeister der Großvermieter und andere Einsatzkräfte der Hausverwaltungen – schon 
29 Einsatztage.
Kaum zum Einsatz kamen gestern hingegen Polizei und Feuerwehr. Uwe Rister, Dienstgruppenleiter in der Polizeiwache Halbe Stadt, lobte am frühen Abend die besonnene Fahrweise der Kraftfahrer. „Es gab im Stadtgebiet nur ein paar kleinere Unfälle – wie an jedem Tag. Alle ohne Personenschaden.“ Auch Michael Wallmann von der Berufsfeuerwehr informierte: „Der Tag verlief glimpflich. Wir wurden zu keinem einzigen Blitz-Eis-Einsatz gerufen.“
Die Frankfurter sind offensichtlich vorsichtig. Denn auch die Zentrale Notaufnahme des Klinikums meldete kein erhöhtes Unfallaufkommen. „Es gab acht unfallchirurgische Aufnahmen, das ist eher im normalen Bereich“, berichtete am Nachmittag Chefärztin Dr. Petra Wilke.
Entwarnung kam auch von Enrico Schewsky von der ADAC-Pannenhilfe mit Sitz in der Fürstenwalder Poststraße. „Es gab nur das Übliche, Starthilfe und so.“
Auch die Frankfurter Schulen setzten vor allem auf Sicherheit. Am Konrad-Wachsmann-Oberstufenzentrum, wo das weiträumige Gelände zwischen Beeskower und Potsdamer Straße nach Aussage von Schulleiter Bernd Wagner komplett vereist war, wurde der Unterricht nach der vierten Stunde abgebrochen. „Wir haben viele Schüler und Auszubildende sowie Lehrer von außerhalb und wollen sicher gehen, dass alle gut nach Hause kommen“, erklärte Bernd Wagner.
„Bei uns geht kein Kind in der Pause auf den Hof oder ohne unser Wissen nach Hause“, versicherte auch Wiebke Tetzlaff, Leiterin der Grundschule Mitte an der Bischofstraße. Auch die Hortkinder blieben vorerst im Schulgebäude und traten nicht den Weg zum Hortstandort an der Gubener Straße an. Zudem versuchten die Lehrer, Eltern zu erreichen sowie die Horte Bambi und Spatzenhaus, um gemeinsam Lösungen für einen sicheren Heimweg zu finden.
Meteorologe Hans-Joachim Knußmann warnt, dass auch heute früh bei Temperaturen von null bis ein Grad Plus Nässe überfrieren kann. „Am trüben Wochenende steigen die Temperaturen bis auf sechs Grad.“ Nächste Woche könne die Quecksilbersäule sogar bis auf elf Grad klettern. Der Winter wäre aber noch lange nicht vorbei.