„Keinen Bock habe ich nie“, ist so ein Satz, der aus Manuela Demel heraussprudelt, wenn sie über ihre Arbeit spricht. Wobei sie ihre Projekte eigentlich nie Arbeit nennt. „Das ist keine Anstrengung für mich“, sagt sie auch über die Leitung des Sommercamps der Frankfurter Partnerstädte, die sie für zwei Wochen im Eurocamp am Helenesee innehat.
Die 23-Jährige lebt die Verbindung zu den Partnerstädten quasi schon durch ihren Lebenslauf. Sie ist in Heilbronn geboren und aufgewachsen und hat sich schon bei der ersten Begegnung in Frankfurt verliebt. Das war 2005 und sie war als Mitglied des Heilbronner Gemeindejugendrates Teilnehmerin im Sommercamp. „Wir laufen über eine Brücke mitten in der Stadt und sind schon in einem anderen Land. Das war ein unglaubliches Erlebnis“, erinnert sie sich an ihren ersten Besuch. Außerdem hat sie das „Überengagement“ im Eurocamp fasziniert, die überzeugte Arbeit, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. „So etwas kannte ich vorher noch nicht“, erklärt sie diesen Wendepunkt, der sie schließlich nach Frankfurt kommen ließ.
Zum Studium der Kulturwissenschaften kam sie vor drei Jahren hierher. Das gesellschaftliche Engagement ist für Manuela Demel eine Selbstverständlichkeit. Weil es sie störte, nicht zu wissen was in ihrer neuen Heimatstadt passiert, wurde sie Mitglied der Jusos. Sie engagiert sich im Eurocamp und reist für einen Potsdamer Verein immer wieder nach Bosnien, um dort Jugendlichen Seminare zu geben. Ein Auslandssemester hat sie in der Türkei verbracht, Ende August fliegt sie für ein weiteres nach Südkorea. Nach dem Abschluss will sie ein Jahr lang den Europäischen Freiwilligendienst im Bosnien absolvieren.
Bei ihrem Engagement hat sie vor allem einen Antrieb: Sie will Ängste und Vorurteile abbauen helfen und weiß, dass das vor allem bei Begegnungen mit anderen funktioniert. Über Menschen, die weniger tolerant denken, kann sie sich empören. Trotzdem wird sie in Diskussionen nicht hitzig. „Ich habe für andere Meinungen Verständnis, damit kann ich inzwischen umgehen.“ Wenn sie sagt, dass das allein Übungssache sei, klingt sie älter, als sie ist.
Ihre Zukunft sieht sie in der Jugendbildungsarbeit. Auch weiterhin wird sie in Europa unterwegs sein, das sie einfach nicht loslässt. Erst einmal hat sie aber Europa in Frankfurt um sich her-um. 120 Teilnehmer unter anderem aus Frankfurts Partnerstädten in Frankreich, Polen, Finnland, und Bulgarien reisen an diesem Wochenende an.