Wer sich in Frankfurt bequem mit Straßenbahnen und Bussen bewegt und für deren Nutzung ein Jahres-Abonnement bei der Stadtverkehrsgesellschaft mbH (SVF) abgeschlossen hat, der kann sich seit diesem Jahr das monatliche Wechseln der Wertabschnitte sparen. Und der muss auch nicht ständig zusätzlich seine SVF-Kundenkarte dabeihaben. Stattdessen braucht er nur noch ein kleines Plastekärtchen mit sich zu führen - eine Chipkarte, die im Bereich des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) neudeutsch "VBB-Fahrcard" heißt. Diese ist im Bereich des VBB - andere Verkehrsverbünde sind da schon weiter - der Einstieg in den elektronischen Fahrausweis. Wenn man mal vom Handyticket absieht, das schon seit ein paar Jahren verfügbar ist, in Frankfurt aber eher selten genutzt wird.
"Die Einführung dieser Karte war schon seit Jahren geplant", sagt SVF-Geschäftsführer Christian Kuke. Im April 2016 habe die SVF die Karte zunächst den Inhabern von VBB-Umweltkarten, die nicht personengebunden sind, angeboten. Nach einer Testphase mit guten Erfahrungen, wie er bestätigt, wurde das Angebot zum Jahresbeginn 2017 erweitert. Nun erhalten auch Inhaber personengebundener Jahreskarten eine Chipkarte - versehen mit Namen und Passfoto des Nutzers. "Die Resonanz war vor allem bei älteren Bürgern sehr positiv", berichtet Christian Kuke. "Wir haben jeden Abonnenten angeschrieben. Gerade unsere älteren Fahrgäste haben sofort Passfotos gebracht und sich die neuen Karten geholt."
Die Vorteile der Chipkarten lägen auf der Hand, betont der Geschäftsführer. Zum einen entfalle wie erwähnt das oft lästige Wechseln der Wertabschnitte an jedem Monatsanfang - was immer verbunden war mit der Gefahr, als Schwarzfahrer unterwegs zu sein, wenn man mal vergessen hatte, die Papierschnipsel rechtzeitig auszutauschen. "Sie müssen die Karte einfach nur dabeihaben", sagt Christian Kuke. Zum anderen gewähre die Plastekarte deutlich mehr Sicherheit im Falle eines Diebstahls oder Verlustes. Denn: "Ist die Karte weg, kann der Abonnent sie sofort sperren lassen und erhält von uns nach kurzer Zeit eine neue." Die alten Pappkarten - zumindest jene, die nicht personengebunden waren - hätten von Dieben oder Finden problemlos genutzt werden können. Wer aber eine gesperrte Chipkarte nutzen will, der wird spätestens bei der nächsten Fahrscheinkontrolle entlarvt.
Ausgegeben werden die neuen Chipkarten an Abonnenten aller angebotenen Jahreskarten von der VBB-Umweltkarte bis zum VBB-Abo "65-plus". Dazu gehört auch die neue Jahreskarte Abo "65 vor Ort", mit der Menschen ab 65 Jahre für nur 340 Euro im Jahr Busse und Bahnen in Frankfurt rund um die Uhr nutzen können. Zum Vergleich: Die "normale" Jahreskarte für Frankfurt, die VBB-Umweltkarte AB, kostet im günstigsten Fall 387,10 Euro. "Die neue Abo-Karte wird inzwischen gut nachgefragt", bestätigt der SVF-Geschäftsführer.
Die Einführung elektronischer Fahrausweise auch für Nutzer von Einzelfahrscheinen ist in Frankfurt bisher nicht geplant. Überhaupt steckt die Umstellung weg von den Papierfahrscheinen in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Andere Staaten sind da bereits viel weiter. In Amsterdam, London, Kopenhagen und anderen Metropolen beispielsweise bezahlen die Menschen dank elektronischer Fahrausweise nur für jene Strecke, die sie tatsächlich auch mitfahren. Das Bundesverkehrsministerium hat aber jetzt einen Aktionsplan aufgestellt, mit dessen Hilfe bis 2019 Papierfahrkarten für Busse und Bahnen in nahezu allen deutschen Städten überflüssig werden sollen.