Viele Mütter, Väter und Kinder sind gerade Statisten in einem Drama in mehreren Akten. Wer einen systemrelevanten Beruf, etwa im Gesundheitswesen oder bei der Polizei hat, kommt in den Genuss der Notbetreuung für die Kinder in Kita und Hort. Derzeit werden allerdings mit 1429 Kindern nur etwa ein Drittel derer betreut, die sonst die Horte und Kitas besuchen, wie eine Rathaussprecherin mitteilt. Eltern in anderen Berufen müssen zeitweise irgendwie zurecht  kommen. Lockerungen auf diesem Gebiet sind nicht in Sicht, es gilt weiterhin die Landesverordnung vom 8. Mai, so Kora Kutschbach von der Stadtpressestelle.
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"Ich bin wirklich durch"

Eine Mitarbeiterin einer Bank, die im Homeoffice ist, berichtet, dass sie jeden Morgen von 5 bis 8 Uhr am Schreibtisch sitzt, um sich in der ersten Schicht um ihre beruflichen Aufgaben zu kümmern. Von 8 Uhr bis Mittag ist sie dann Grundschullehrerin für Sohn James. Nach dem oftmals selbst gekochtem Mittag und dem gemeinsamen Essen kümmert sich die Mutter wieder um ihre Arbeit. James beschäftigt sich dann allein. Abends gibt es dann wieder gemeinsame Zeit mit dem Sohn. Ihr Mann arbeitet auf dem Bau von Dienstag bis Sonnabend, damit die Mutter wenigsten am Montag in einem externen Büro im Block O arbeiten kann. Die Großeltern kommen wegen gesundheitlicher Probleme als Hilfe für James nicht infrage. "Ich bin nach zwei Monaten in diesem Rhythmus wirklich durch", erklärt sie.
Wenn es etwas Positives an diesem Zustand gibt, dann wenigstens, dass die junge Familie eher wenige finanziellen Sorgen durch die Corona-Krise hat, so wie sie sich bei Cindy Wolff abzeichnen. Die dreifache Mutter arbeitet als Kellnerin im Eiscafé Bellini. Seit Freitag dürfen die Gaststätten wieder öffnen und auch sie ist wieder für die Gäste da. Was sie in dieser Zeit mit ihren Kindern macht, entscheidet sie jeden Abend, wenn sie weiß, wie sie am nächsten Tag konkret eingeteilt ist. Der von ihr getrennt lebende Vater kümmert sich auch um die Kinder, wohnt aber in Eisenhüttenstadt und hat auch nicht immer Zeit. Hinzu kamen finanzielle Sorgen. Mit 67 Prozent Kurzarbeitergeld, ohne Schichtzuschläge und Trinkgeld in der Schließzeit, hat sie die Familie nicht durchbekommen. Betriebsleiterin Kathi Zwiener hat das Kurzarbeitergeld aufgestockt. Auf den versprochenen Notfall-Kinderzuschlag der Arbeitsagentur wartet die Familie seit mehreren Wochen.
Kathi Zwiener hat mehrere Mitarbeiterinnen mit Kind. "Die Politik muss sich etwas einfallen lassen, es gibt auch bei uns Mütter die nicht arbeiten können, weil sie niemanden für das Kind haben", sagt sie. "Wir nehmen wo wir können Rücksicht, aber die anderen müssen dann mehr arbeiten", so die Chefin.

Kritik am Vorgehen des Landes

Der Beigeordnete Jens-Marcel Ullrich bedauert, dass es zwischen den Ländern keine Abstimmung gegeben hat und Brandenburg seinen eigenen Weg in Sachen Notbetreuung geht. In Sachsen seien Lockerungen bereits auf Kitas übertragen worden. Auch im Landkreis Märkisch-Oderland sollen ab 25. Mai Kitas – abweichend von Regelungen der Landesregierung – wieder in einen nahezu regulären Betrieb übergehen. Nach dieser Ankündigung teilte das Bildungsministerium am Sonnabend mit, dass die Kinderbetreuung nach den regionalen Möglichkeiten unterschiedlich geregelt werden kann.
Die städtische Kinderbeauftragte Jaqueline Eckardt betont: "Die Kinderrechte werden schon seit vielen Wochen ausgehebelt". Wenn der Zustand anhält, werden die Kinder durch den Entwicklungsrückstand mal als "Corona-Kinder" angesehen, befürchtet sie.