Kantor Stephan Hardt an der Orgel war nicht aus der Übung gekommen. "In den letzten Wochen haben wir am Sonnabendnachmittag die Kirche aufgeschlossen und dabei auch Stücke auf der Orgel gespielt", sagt er. Unter den Gästen ist der Superintendent des Kirchenkreises Oderland-Spree Frank Schürer-Behrman und auch der Pfarrer im Ruhestand und fleißige Spendensammler Helmut Labitzke. Den Mundschutz, den fast alle Gläubigen bei Betreten der Kirche trugen, thematisierte auch Pfarrerin Betrix Forck in ihrer Predigt. Beim Sitzen in den Bänken durfte der allerdings abgesetzt werden. Die Kollekte wurde diesmal am Eingang gesammelt, zudem mussten sich zu Beginn alle Anwesenden in eine Liste eintragen.
Im Gemeindezentrum in Eisenhüttenstadt rückte man Stühle, um eine corona-konforme Sitzordnung herzustellen. Je drei Stühle hintereinander standen falsch herum und waren mit Absperrband belegt, erst der jeweils vierte war eine Sitzgelegenheit. Doch ehe man überhaupt in den Saal kam, gab es noch weitere Hinweise: Bitte Schutzmaske aufsetzen, bitte Hände desinfizieren und bitte persönliche Daten angeben – für den Fall, dass im Nachhinein ein Corona-Fall bekannt wird, ließe sich so die Infektionskette nachvollziehen. "Es ist eine Gemeinschaft, auf die wir uns gefreut haben. Aber es ist eine Gemeinschaft auf Abstand", sagte Marion Lehmann, die Gemeindekirchenratsvorsitzende. Sie bat um Verständnis für die Regeln, an die sich bitte während der Gottesdienste alle halten sollen – "damit wir das Privileg nicht gleich wieder verspielen". Auf ein Abendmahl müssen die Christen weiterhin verzichten. Dafür gab es in der Friedenskirchengemeinde für alle ein selbst gebasteltes Geschenk mit süßem Inhalt. In ihrer Predigt betonte Stephanie Spranger: "Das Licht der Osterkerze erinnert uns daran, dass nicht der Tod gesiegt hat, sondern das Leben."
Während man im Eisenhütterstädter Gemeindezentrum der Friedenskirche komplett auf gemeinsames Singen verzichtete, wurde beim Gottesdienst in der Kirche in Groß Lindow verhalten mitgesungen. Nur jede zweite Kirchenreihe war besetzt. Aufgeklebte Zeichen an den Bänken sorgten für Abstandswahrung. "Wir suchen eine neue Nähe", sagte der evangelische Pfarrer Mathias Wohlfahrt mit Blick auf die Corona-Pandemie.