Der Herbst ist da und der Winter kommt – und mit ihm die für die Gastronomie entscheidende Frage: Wie können Wirte ihren Gästen in Zeiten der Pandemie einen sorgenfreien Aufenthalt ermöglichen? Während in Berlin und anderen Großstädten über Heizpilze, Corona-Blasen oder Zelte diskutiert wird, um auch in der Kälte Sitzplätze draußen anzubieten, ist das in Frankfurt (Oder) kein Thema.
Wo vor ein paar Wochen noch draußen Gäste des Nirwana-Restaurants saßen, parken nun Autos am Rathaus. Alle Sitzmöglichkeiten wurden nach drinnen verlagert. Auch an der Oderpromenade sitzen die Leute nur noch vereinzelt auf öffentlichen Bänken. „Wir haben bereits 90 Prozent unserer Terrasse abgebaut“, sagt Ingolf Rosner, Betreiber vom Kartoffelhaus. Es sei einfach zu kalt, um draußen zu sitzen. Gerade einmal zwei Gäste nahmen am Montag auf der Terrasse an der Oder Platz. „Frankfurt ist nicht das Pflaster für Heizpilze. In Berlin und Hamburg wollen die Leute jetzt eher draußen sitzen“, meint Rosner.

Viele Inlandsurlauber besuchten Restaurants im Sommer

Für das Kartoffelhaus sei die Sommersaison einigermaßen okay gewesen. Aber durch die Abstände fielen dem Betreiber 70 Plätze weg – „obwohl es optisch brechend voll aussieht“, erklärt Rosner. Weniger Einnahmen sind die Folge. Mit der nun geltenden Pflicht, dass Gäste eine Maske tragen müssen, wenn sie nicht an ihrem Platz sind, hat der Frankfurter ein interessantes Phänomen entdeckt: „Als es freiwillig war, haben auf Anhieb mehr die Maske getragen als jetzt“, hat er beobachtet.
„Wahnsinnig viele Absagen“ für die Weihnachtszeit gab es auch beim Kartoffelhaus, sagt er. Er schaut jetzt von Woche zu Woche – und bietet trotz großer Unsicherheiten neue Spezialitäten an: Halbe Kaninchen mit spanischen Kartoffeln oder Geschmortes vom Ochsen in Portweinsoße mit kanarischen Runzelkartoffeln. Dank eines neuen Kartoffellieferanten kann der Koch nun auf 150 verschiedene Sorten zugreifen.

Angst und Unsicherheit in Herbst- und Wintermonaten

„Ich habe Angst – wie lange hat es noch Sinn, die Gaststätten aufzumachen?“, fragt der Frankfurter Gastronom Rame Hebibi („Ricky“). Als die Corona-Zahlen nun wieder hochgingen, kamen sofort weniger Gäste, erklärt er. Zwei bis drei Tische konnte das Fratelli am Wochenende nur mit Gästen besetzen. Stühle und Tische wurden auf der Terrasse bereits abgebaut. Deckenheizstrahler darf der Betreiber vom Fratelli hier aus bauschutzrechtlichen Gründen nicht aufhängen.
Seit Jahren hängen Infrarotstrahler im Außenbereich vom Steak House – jedoch erwärmen sich gerade keine Gäste darunter. „14 Plätze haben wir draußen, aber die Leute sitzen nun lieber drinnen“, sagt Maik Drews. Der Restaurantbetreiber hatte im Sommer extra Plätze auf dem Bürgersteig der Magistrale geordert. „Verrückt“ sei der Besucherstrom gewesen, so Drews, er sei hoch und runter gegangen. Er kann sich zwar über viele treue Stammgäste freuen, plant aber trotzdem recht kurzfristig. Denn: „Einige große Gruppen, die am Jahresanfang ihre Weihnachtsfeier bei uns reserviert haben, sind jetzt abgesprungen“, sagt er.

Olympia-Restaurant hätte gerne Heizpilz aufgestellt

Gerne hätte das griechische Restaurant Olympia im Zentrum einen Heizpilz aufgestellt. Nun sind Tische und Stühle draußen doch abgeräumt worden. „Wegen der Nähe zur historischen Marienkirche hat uns das Gewerbeamt keinen Heizpilz erlaubt“, sagt eine Mitarbeiterin.
Im Diebels Live gibt es mit 50 – normalerweise 70 – Sitzplätzen genügend Platz für die Gäste, sagt Betreiber Guido Tietgen. Nur die Raucher halten sich noch draußen auf. „Im Sommer haben wir ungemein von den ganzen Inlandsurlaubern profitiert“, berichtet Tietgen. Und dass die Corona-Regeln eingehalten worden sind, zeigen drei Besuche vom Gesundheitsamt – ohne Beanstandung. So seien auch bei den anstehenden Weihnachtsfeiern maximal sechs Personen pro Tisch gewährleistet.

Suppenbar plant, Decken bereitzustellen

Decken für ihre Suppen-Esser bereitzustellen, überlegt dagegen die Inhaberin der S*Kultur in der Magistrale. „Viele unserer Kunden kommen in ihrer Mittagspause und wollen schnell etwas essen“, erklärt Raphaela Mühlbach von der Suppenbar. Da sei es gut, die Sitzplätze draußen etwas gemütlich zu gestalten. Ob Sommer oder jetzt im Herbst – warme Suppen gehen anscheinend immer, zurzeit natürlich vor allem Kürbis in flüssiger Form.