Wenn die „enorme Dynamik“ des Corona-Infektionsgeschehens in Frankfurt (Oder) nicht gestoppt werden könne, drohe der nächste Lockdown, sagt Stadtsprecher Uwe Meier. Am Freitag ist der bundeseinheitliche sogenannte Warnwert von 35 Neuinfektionen je 100.000 Einwohnern binnen sieben Tagen in der Stadt erstmals überschritten worden.
Und zwar gleich deutlich: Mit acht Neuinfektionen binnen eines Tages stieg die Gesamtzahl der akut am Coronavirus Erkrankten auf 107. Das ergibt laut Statistik des Landesgesundheitsamtes einen Indize von 41,6.

Neun Corona-Patienten im Klinikum Frankfurt (Oder)

Wie dramatisch die aktuelle Entwicklung ist, zeigt sich auch an der Zunahme der Fälle, in denen die Erkrankung einen schweren Verlauf nimmt. Nach Angaben von Kati Brand, der Sprecherin des Klinikum Frankfurt (Oder), werden dort aktuell neun am Coronavirus Erkrankte stationär behandelt. Drei davon liegen auf der Intensivstation, zwei müssen beatmet werden.

Aufnahmekapazität für Notfälle erhöht

Kati Brand spricht in dem Zusammenhang von einem „hochdynamischen Geschehen“. Auf die Frage, ob das Klinikum wieder dazu übergeht, geplante Operationen zu verschieben, erklärt die Sprecherin: „Wir haben aktuell unsere Aufnahmekapazitäten für Notfälle erhöht und passen die OP-Planung dementsprechend täglich an.“ Seit Donnerstag gilt im Klinikum, mit Ausnahme der Intensiv-, Palliativ-, Kinder- und Entbindungsstation, wieder ein Besuchsverbot.
Doch was bedeutet die Überschreitung des Warnwertes für die Frankfurter? Vor allem eine Verschärfung der Regeln zum Infektionsschutz: Alle Bürger – auch Kinder ab dem vollendeten sechsten Lebensjahr – müssen in Gaststätten und bei Feiern in angemieteten Räumen eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen, solange sie nicht an einem festen Platz sitzen.

Ab sofort Maskenpflicht in Büros

Neu ist die Maskenpflicht auch für Beschäftigte und Besucher in Büro- und Verwaltungsgebäuden, sofern sie sich nicht auf einem festen Platz aufhalten und der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann. Und auch in Fahrstühlen muss ab sofort wieder ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden.
Die Stadtverwaltung verweist in ihrer Mitteilung zur neuen Coronalage auch auf die verschärften Regeln für Feierlichkeiten: Ab sofort gilt für private Feiern die Höchstzahl von 25, für Feiern in öffentlichen oder angemieteten Räumen von 50 Teilnehmern.

OB bricht Urlaub ab

Oberbürgermeister René Wilke, der angesichts der angespannten Infektionslage seinen Urlaub am Wochenende abbrechen will, geht davon aus, dass das Land in Kürze seine Corona-Umgangsverordnung ändern und verschärfen wird. In Aussicht gestellt sei eine Begrenzung der Gästezahl für Feiern auf 15 bzw. 25, heißt es aus der Pressestelle der Stadt.
René Wilke sagt: „Die aktuelle Situation in unserer Stadt ist sehr ernst. Gelingt es uns nicht, die Zunahme an Infektionen schnell wieder unter den Warnwert zu drücken oder überschreitet die Inzidenz die Grenze von 50, treten Szenarien in Kraft, die erhebliche Auswirkungen auf unsere persönliche Freiheit und auf die Wirtschaft haben. Nicht zuletzt sind Menschenleben in Gefahr. Ich appelliere an alle Frankfurterinnen und Frankfurter, auf nicht erforderliche Sozialkontakte zu verzichten, die AHA-Regeln unbedingt einzuhalten und sich verantwortungsvoll gegenüber ihren Mitmenschen zu verhalten. Nur so können wir diese kritische Situation gemeinsam meistern.“

Gesundheitsamt schafft Kontaktverfolgung „gerade noch so“

Auf die Frage, ob das Gesundheitsamt der Stadt die Nachverfolgung der Kontakte Infizierter noch ohne Hilfe bewältigen kann, erklärt Stadtsprecher Meier: „Ja, gerade noch so.“ Amtsarzt Oliver Fahron bezeichnet es als „großes Glück“, dass es in der Stadt bislang kaum einen sogenannten Cluster gab, bei dem sich viele zugleich ansteckten. Bei den bislang neu Infizierten handele es sich vorwiegend um Berlin-Pendler und Reiserückkehrer, heißt es.
Vor allem im Klinikum und in der ambulanten Pflege werde derzeit „massiv getestet“, teilt Uwe Meier auf Nachfrage mit. In den meisten Seniorenheimen in der Stadt hat sich am Freitag an den Besuchsregeln noch nichts geändert. Anja Ewald, Leiterin des Caritas-Seniorenzentrum „Albert Hirsch“ sagt: „Wir haben das Infektionsgeschehen im Blick.“ Es gelte ein strenges Besuchs- und Hygienekonzept. Doch Besuch sei für das körperliche und seelische Wohlbefinden der Bewohner sehr wichtig. Besucher müssen eine Erklärung ausfüllen und einen Kittel tragen. Nach jedem Besuch wird gelüftet und werden Flächen desinfiziert.

Besuchsregeln werden angepasst

Im ASB-Seniorenheim in der Gubener Straße dürfen Bewohner jeweils zwei Besucher für eine Stunde auf dem Zimmer empfangen. In der Senioren-Residenz „An der Lehmgasse“ gibt es täglich feste Besuchszeiten. Man sei jedoch gerade dabei, die Regelungen anzupassen, hieß es.
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