Fotografen und Videoteams hielten den Moment fest. Auch der Słubicer Bürgermeister Mariusz Olejniczak verfolgte das unwirklich anmutende Schauspiel. Ein polnisches Paar mit zwei Rollkoffern schaffte es im letzten Moment noch durch die Absperrung – dann gab es kein Durchkommen mehr an der Stadtbrücke, zumindest nicht ohne Kontrolle.

Es waren historische Minuten. Denn seit dem Beitritt Polens zum Schengener Abkommen und dem Wegfall der Grenzkontrollen 2007 konnten Frankfurter und Słubicer die Stadtbrücke praktisch ungehindert passieren. Doch am Freitagabend hatte der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki in Warschau angekündigt, die Grenzen zu schließen, um einer Ausbreitung der Corona-Pandemie entgegenzuwirken.
Die Grenzkontrollen an allen Grenzübergängen werden vorerst für zehn Tage eingeführt. Ausländer, die nicht dauerhaft in Polen leben, dürfen die Grenze nicht überschreiten. Für Berufspendler soll es Ausnahmen geben. Zurückkehrende polnische Staatsbürger und in Polen lebende Ausländer, die zurückkehren, müssen sich für 14 Tage in Quarantäne begeben.
Den ganzen Sonnabend über kam es in Frankfurt in Richtung Grenze zu langen Staus. Viele nutzten die vorerst letzte Chance, sich günstig mit Zigaretten oder Sprit einzudecken.