Es ist ohne Frage ein hipper Ort, der in den vergangenen Monaten an der Magistrale entstanden ist. Zum 60. Geburtstag des Hauses, das den meisten als Kinderkaufhaus bekannt ist, wird am Sonnabend Frankfurts erster privat betriebener Coworking Space an der Karl-Marx-Straße 182 eröffnen. Ein Ort, an dem es Kaffeespezialitäten geben wird, an dem man aber auch arbeiten kann – allein, als Freiberufler, als Gruppe von Gründern oder als Team eines Unternehmens.
Das Erdgeschoss vermittelt wenige Tage vor der Eröffnung mit seiner unverkleideten Decke, den grauen Polstern und der dominierenden freistehenden Kaffeebar Industriecharme und Gemütlichkeit zugleich. Links der Bar wird man künftig Kaffee und Kuchen zu sich nehmen können, an einer langen Tafel rechter Hand kann man arbeiten. „Für ein Tagesticket hat man Strom, Internet, Drucker und muss nichts verzehren“, erklärt Linda Pickny das Konzept. Die frühere Mitarbeiterin der Viadrina hat sich in den vergangenen Wochen in der Berliner Oberholz-Zentrale zur Coworking Managerin ausbilden lassen. Sie wird künftig im Blok O dafür sorgen, dass sich Besucher und Mitglieder wohl fühlen.
Künftige Mitglieder können in der oberen Etage Arbeitsplätze, Teamräume und schallisolierte Telefonkabinen nutzen. Steh- und Sitz-Arbeitsplätze stehen genauso zur Verfügung wie abschließbare Teamräume und eine Teeküche. Wer sich hier für 99 Euro im Monat einmietet, hat rund um die Uhr Zugang. Im Erdgeschoss stehen 14, oben 16 Arbeitsplätze zur Verfügung, hinzu kommen zwei variable Konferenz- und sechs Teamräume.
Für Berlin kann Tobias Kremkau, der für St. Oberholz das Coworking verantwortet, alle nur denkbaren Statistiken über Auslastung, Nutzungsdauer und Teamgrößen aufsagen. „Für Frankfurt haben wir natürlich gar keine Erfahrungen“, gibt er zu. Dennoch ist er davon überzeugt, dass das Konzept aufgeht. Die Nähe zur Metropole, die Pendlerstatistiken, die Gründungsaktivitäten an der Viadrina – vieles spreche dafür. Erste Anfragen von Unternehmen und Einzelpersonen gebe es bereits. Der große Vorteil, den er sich ausrechnet, ist die Flexibilität. „Hier kann man sich ausprobieren, muss keine Verträge eingehen und keine Möbel kaufen.“
Bei aller Zukunftsgewandtheit in Sachen Arbeitskultur hat man bei der Planung aber auch großen Wert auf die Geschichte gelegt.  Davon künden die riesigen Schwarz-Weiß-Fotografien, die blaue Farbgebung, die an die ursprüngliche Bestimmung als Fischladen erinnert, und nicht zuletzt ein Hingucker im Cafébereich. Dort verströmt ein historisches Gemälde von Gerhard Goßmann, das früher im nahen Café Kaffeetasse hing, sein exotisches Flair. Es wurde eigens für das Blok O aus dem Archiv geholt und restauriert.
Die Eröffnung beginnt am Sonnabend ab 11 Uhr. Es sprechen unter anderem der Restaurator des Gemäldes, der Ex-Frankfurter und Werbeagentur-Gründer Mathias Richel und Ansgar Oberholz. Reguläre Öffnungszeit ab Montag: 9 bis 17 Uhr.