Stippvisite bei den Bauarbeiten am Frankfurter Bahnhofstunnel. Schal-, Bewehrungs- und Betonarbeiten bestimmen gegenwärtig das Baugeschehen. Schwere Krantechnik und Baufahrzeuge sind im Einsatz. "Hierbei wird den Kranführern sehr viel Fingerspitzengefühl abverlangt, denn ihre Toleranzbereiche bei der Montage der Brückenteile liegen lediglich im Zentimeterbereich. Aber auch Handarbeit ist gefragt, um den starken Eisendraht zu Bewehrungskörben zu flechten, die dann mit Beton ausgegossen werden", erläutert Uwe Brettin. Der 54-Jährige ist Leiter des Baubüros und der Bauüberwachung bei der DB Mobility Logistics AG und hat sein Quartier oberhalb des Tunneleingangs an Dresdener Straße.
Der erste Teil der Überbauten, bestehend aus drei blaulackierten stählernen Brücken, ist fertig. Am 17. Dezember soll der erste Abschnitt an der Dresdener Straße in Betrieb gehen. Dann verkehren die Züge wieder durchgängig von Frankfurt nach Müllrose und Beeskow. Derzeit erfolgt vom Haltepunkt in Neuberesinchen Schienenersatzverkehr mit Linienbussen.
"Wir liegen gut im Zeitplan für das bis Juli 2014 konzipierte Gesamtprojekt. Zu ihm gehören neben dem Bahnhofstunnel noch die Eisenbahnbrücke in der Güldendorfer Straße und das Kreuzungsbauwerk Reppen im Mühlental. Oberhalb dieser Kreuzung wird die Bahnstrecke nach Eisenhüttenstadt und Cottbus geleitet, unterhalb führen die Gleise weiter zur Brücke in Richtung Polen", informiert Brettin. Die Bahndammsanierung im Mühlental ist bereits abgeschlossen, nun werden noch Lärmschutzwände errichtet. Gleichfalls entstehen Lärmschutzwände entlang der Bahnstrecke an der Güldendorfer Straße bis hin zum Durchgang zu den Kleingärten am Wasserturm. Für alle Gewerke hat die Deutsche Bahn Baukosten in Höhe von zirka 35 Millionen Euro veranschlagt.
"Gegenwärtig arbeiten 58 Fachleute europäischer Firmen, darunter mit Buchwald und Kesslau auch zwei Frankfurter, am Gesamtprojekt. Davon sind allein 19 Fachkräfte für die Arbeiten an der im Jahr 1925 errichteten Eisenbahnüberführung zwischen Dresdener Platz und Bahnhofstraße abgestellt", erklärt der langjährige Frankfurter, der jetzt in Bad Saarow wohnt.
Wie geht es weiter am Tunnel? Derzeit ist das Nadelöhr noch ein Schandfleck und lediglich mit Straßenbahn, Linienbus oder an einer Seite von Fußgängern passierbar. Der neue Tunnel hingegen, über den insgesamt 15 Gleise für den Personen- und Güterverkehr führen werden, wird aus vier stählernden Überbauten und drei lichtdurchfluteten Zwischenräumen bestehen.
"Nach Fertigstellung des ersten Abschnitts am Ausgang zur Dresdener Straße schwenken wir um und beginnen am anderen Ende des Tunnels mit Abschnitt zwei. Startschuss soll hier am 1. Januar 2013 sein", so Brettin. Dort werden zwei Überbauten errichtet, ehe die Eisenbahnüberführung mit dem dritten Abschnitt in der Tunnelmitte fertiggestellt wird.
Die großen Stahlüberbauten sind Spezialanfertigungen, die vor Ort montiert werden. Gegenwärtig läuft bei einer Dessauer Firma die Vorfertigung der Brückenteile für Bauabschnitt zwei Anfang des neuen Jahres.
Inzwischen gab es auch vom Landesumweltamt mit der Erteilung einer Sondergenehmigung grünes Licht für Nacht-, Sonntags- und Feiertagsarbeit am Tunnel. "Das war absolut notwendig, um im vorgegebenen Zeitplan zu bleiben. Trotzdem sind wir weiterhin bemüht, einen gesunden Kompromiss zwischen notwendiger Ruhe für die Anwohner und unseren Bauarbeiten zu finden. Zum Glück bringen die Frankfurter großes Verständnis für unsere Arbeiten auf", lobt Brettin. Die nächste Totalsperrung des Bahnhofstunnels kündigt er erst für den Zeitraum vom 2. bis 11. März 2013 an.