Das milde Herbstwetter spielt den Verantwortlichen der Deutschen Bahn bestens in die Karten. "Es gibt keinen Grund zum Meckern. Wir liegen mit allen drei Bauabschnitten im vorgegebenen Zeitlimit", erklärt Uwe Brettin. Am 17. Dezember werde der 1. Bauabschnitt des Bahnhofstunnels am Dresdener Platz in Betrieb gehen. Dann verkehren auch wieder die Züge von Frankfurt nach Müllrose und Beeskow durchgängig, was derzeit noch mit Schienenersatzverkehr vom Haltepunkt Neuberesinchen abgefangen wird. Erst für den 2. bis 11. März 2013 kündigt die Deutsche Bahn eine weitere Totalsperrung des Bahnhofstunnels an.
"Auch an der Eisenbahnbrücke in der Güldendorfer Straße geht es zügig voran", sagt der 54-jährige Leiter des Baubüros und der Bauüberwachung bei der DB Mobility Logistics AG.
Davon können sich die Frankfurter jederzeit selbst überzeugen. Schwieriger, weil völlig unzugänglich für Interessenten, ist hingegen das dritte Projekt, das Kreuzungsbauwerk Reppen, wo bereits seit Dezember 2011 gewerkelt wird.
Dieser Bauabschnitt wird derzeit von internationalem Stimmengewirr durchzogen. Auf dem europaweit ausgeschriebenen Objekt arbeiten 25 Spezialisten verschiedener Firmen rund um die Uhr. Darunter sind mit Buchwald und Kesslau auch zwei Frankfurter Unternehmen.
Zwei riesige Autodrehkräne und schwere Baufahrzeuge für den An- und Abtransport der Materialien bestimmen die Szenerie. Auf der einen Seite werden gerade die neuen Wände der Unterführung eingeschalt. Hier bietet sich ein kurioses Bild, denn die Arbeiter stehen wie in einem Regal dicht an dicht übereinander und bringen den Bewehrungsdraht in die richtige Form. Auf der anderen Seite wird bereits mit flüssigem Beton verfüllt, bevor als nächstes die Träger aufmontiert werden und anschließend die Decke betoniert wird.
Die internationale Bahnlinie wird eingleisig unterhalb des Kreuzungsbauwerks zum Güterbahnhof Oderbrücke (ehemals Grenzbahnhof) in Richtung Polen geführt. Oberhalb verläuft die Strecke nach Eisenhüttenstadt und Cottbus. Das Bahnprojekt im Mühlental ist von den Baufahrzeugen nur über eine Verlängerung des Nussweges von Neuberesinchen aus erreichbar, bleibt für Neugierige aus Sicherheitsgründen total abgeschirmt.
"Inzwischen wurde das alte Bauwerk abgerissen, das neue um zirka sieben Meter in der Breite nach Süden verschoben. Zudem musste die lichte Höhe der Bahnunterführung auf etwa sieben Meter erhöht werden. Das war notwendig, weil die Züge zuvor immer nur mit abgesenkten Stromabnehmer die Brücke durchfahren konnten, weil der Abschnitt zu tief angelegt war", erläutert Brettin. Der Leiter der Bauüberwachung erwartet, dass die Strecke nach Polen und damit das gesamte Kreuzungsbauwerk im März 2013 fertiggestellt sind. Momentan verlaufen die Strecken zur Oder und auch nach Eisenhüttenstadt einspurig.
Solange kein Frost kommt, gehen die Arbeiten zügig voran. Das trifft vor allem für die Schweißarbeiten an der Gleisanlage zu, weil hierbei bestimmte Temperaturbereiche eingehalten werden müssen.
Gleichzeitig wurde mit vorbereitenden Arbeiten für die Errichtung von drei und sogar sechs Meter hohen Lärmschutzwänden begonnen, die sich insgesamt 465 Meter entlang der Strecke ab Eisenbahnbrücke Güldendorfer Straße hinziehen werden.