"Die allermeisten AfD-Wähler sind nicht rechtsextrem", meint Robin Kendon vom Mobilen Beratungsteam. Rechtskonservative Ansichten seien kein Problem sondern hätten in einer funktionierenden Demokratie ihren Platz. Das gelte jedoch nicht, wo Grenzen des Grundgesetzes überschritten, wo Rassismus und Intoleranz ein Nährboden bereitet werde, so Kendon. Problematisch sehe er, dass die AfD zunehmend von politisch-strategisch denkenden Rechtsextremen untersetzt sei, was sich auch im Parteiprogramm widerspiegele.Von der Lokalpolitik ebenso wie von der Verwaltung fordert er daher, mehr gegen den "Investitionsstau in Sachen Demokratie" zu unternehmen. Das heißt, viel stärker in den Stadtteilen präsent zu sein, auf die Bürger zuzugehen und Probleme aufzugreifen.
Jürgen Neyer - Dekan an der kulturwissenschaftlichen Fakultät - redete den Angehörigen seiner Universität erneut ins Gewissen. Die Viadrina müsse viel mehr dafür tun, um als konkretisiertes Versprechen einer liberalen, demokratischen, offenen Gesellschaft wahrgenommen zu werden. Eine Forderung: "Wir brauchen dringend mehr Studierende, die hier vor Ort leben. Die Pendelei nach Frankfurt ist ein Riesenproblem." Doch dafür müssten auch Anreize gesetzt werden. Initiativen wie die geplante Gründerwerkstatt oder die Sanierung des Ferdinandshofes seien ein Anfang, aber nicht genug. Der Platz vor dem Audimax etwa "ist eine Katastrophe. Der muss umgebaut, ein Ort der Begegnung werden. Wir müssen den Campus so weiter entwickeln, dass die Leute hier bleiben wollen." Die Viadrina habe es "sträflich vernachlässigt", ein gelebtes, besseres Beispiel abzugeben - nur so erreiche man auch diejenigen, die sich dem Gespräch verweigern.
Frank Hühner - Koordinator des Lokalen Partnerschaftsprojekts für Demokratie - ergänzte, dass ebenso in Schulen und Betrieben der Stadt Demokratie und Mitbestimmung stärker als bisher gelebt werden sollten. "Die offene, freie Gesellschaft muss in vielen Bereichen erfahrbar sein."