Aufatmen in Slubice und Frankfurt: Das Stadion Slubickiego Osrodka Sportu i Rekreacji in Frankfurts Nachbarstadt, das frühere Ostmarkstadion, kann nicht mehr abgerissen werden. Es steht jetzt in der Denkmalliste der Wojewodschaft Lubuskie. "Diese sehr gute Entscheidung traf die Denkmalkonservatorin der Wojewodschaft Lubuskie mit Sitz in Zielona Góra Dr. Barbara Bielinis-Kopec", informierte Roland Semik, ehrenamtlicher Denkmalschutzbeauftragter im Landkreis Slubice. Er engagiert sich seit Jahren dafür, die Erinnerungen an das alte Frankfurt wach zu halten.
In die Denkmalliste der Wojewodschaft aufgenommen wurde fast der komplette Stadionkomplex, gebaut zwischen 1914 und 1927 nach einem Plan des Frankfurter Stadtbaurates Otto Morgenschweis (1869-1944). Erfasst sind der Hauptsportplatz mit der Tribüne, das Schwimmbad mit Resten des ehemaligen Sprungturmes, das Verwaltungsgebäude mit den auch heute noch sehr schönen Arkaden im Stil der Prämoderne und alle vier Nebensportplätze.
"Auch auf deutscher Seite wurde sich für die Aufnahme des Stadions in die Denkmalliste der Wojewodschaft stark gemacht", weiß Semik. Er besitzt Kopien eines Schreibens an Barbara Bielinis-Kopec, Absender: Historischer Verein zu Frankfurt (Oder). Der damalige Vereinsvorsitzende Wolfgang Buwert schrieb am 17. April vorigen Jahres, dass das Sport-Areal zu den ältesten Stadien in Polen gehöre. "Mit seiner historischen südöstlichen Tribüne erinnert es an ein Amphibientheater." Das Stadion sei heute "die einzige noch existierende alte Anlage, in der ein Schwimmbecken und ein Stadion architektonisch vereint und in die Landschaft eingepasst wurde."
Prof. Hans-Rudolf Meier von der Bauhaus-Universität Weimar nennt den Stadionkomplex einen "sehr wichtigen Bau der frühen Moderne, der durch seine Formensprache des Reformstils, insbesondere den Arkadengang, und Materialität besticht" und setzt sich dafür ein, das Stadion auf die Denkmalliste zu stellen. Für Prof. Hiltrud Kier vom Kunsthistorischen Institut Bonn ist das ehemalige Ostmarkstadion "ein besonders wichtiges Baudenkmal polnisch-deutscher Geschichte." Es sei ein bedeutendes Beispiel der "früh praktizierten Erscheinung sachlicher Architektur." Es dürfe nicht abgerissen werden.
Die Idee, vor den Toren Frankfurts ein großes Stadion zu bauen, entstand in der Anfangszeit der Turn- und Sportbewegung. Vor dem Ersten Weltkrieg gab es in der Stadt bereits einige dezentral gelegene Sportplätze, so am Anger. Auch eine Radrennbahn existierte, aber noch kein Stadion. Am 23. September 1914 beschloss daher die Stadtverordneten-Versammlung den Bau eines Stadions auf der Dammseite. Als Baugelände kam die Wahl auf eine ausgebeutete Sand- und Kiesgrube an der Kleisthöhe zwischen Dammfriedhof und dem Weg zum Hängebusch.
Umfangreiche Erdbewegungen waren erforderlich. Bereits 1914/15 bemühten sich an die 300 russische Kriegsgefangene aus dem Lager Gronenfelde, den Plan zu verwirklichen. In die Flanke des angrenzenden Berges wurde hineingearbeitet und die gewonnene Erde ins Tal planiert.
Die Planung der großen Sportstätte erfolgte in starker Anlehnung an das 1915/16 errichtete Berliner Stadion im Grunewald (an Stelle des heute noch bestehenden Stadions von 1936). Für die Planung zeichnete Otto Morgenschweis verantwortlich. Seit 1908 stand der Architekt zunächst als Stadtbauinspektor, dann als Magistratsbaurat im Dienst der Stadtverwaltung. 1927 wurde er Stadtbaurat.
Frankfurt hat sich mit diesem Stadion eine "einzigartige Anlage geschaffen, die durch ihre Besonderheiten eine hervorstechende Stellung unter den Kampfbahnen der deutschen Städte einnimmt", formulierte einst der Sportler Max Ostrop. 1928 brachte er das Buch "Deutschlands Kampfbahnen" heraus.
Nach Ende des Ersten Weltkrieges konnte erst im Mai 1924 der Bau wieder aufgenommen werden. Mit einem großen Sportfest am 27. Mai 1927 wurde das Stadion schließlich seiner Bestimmung übergeben. Bei der Eröffnung galt es als die "Krone der Neuanschaffungen" in der Dammvorstadt.