Die Ärzte machten ihren Fans zum Männertag ein ganz besonderes Geschenk. Zum ersten Mal spielte die Rockband in der Frankfurter Messehalle.
Die Band begeistert ihre Fans auch nach 30 Jahren. Doch drum herum lief für einige Konzertgänger nicht alles perfekt. Einige waren skeptisch. Schließlich spielen Die Ärzte sonst in den größten Städten und Hallen Deutschlands. Nach Frankfurt kamen bisher noch nie „solche Superstars“. Auch Isabelle Raschke ist zum ersten Mal in der neuen Messehalle 1. „Ach das ist ja wie im Wohnzimmer hier“, sagt sie beim Betreten der Halle. Sie hat Die Ärzte bereits auf zahlreichen Konzerten gesehen. „Hier in Frankfurt ist das Publikum schon anders“, stellt sie anfangs fest. Die Fans kommen aus ganz Deutschland angereist – Hannover, Chemnitz, Hamburg. „Ich bin skeptisch“, sagt Tobias Schiele noch vor Konzertbeginn. „Ich habe schon einige Konzerte in Frankfurt miterlebt, die waren nie richtig toll.“ Auch er hat die Band bereits auf großen und kleinen Bühnen gesehen. Tobias Schiele ist gespannt und irgendwann ein wenig genervt, dass es nicht losgeht. Eine knappe halbe Stunde später fällt der Vorhang.
Dem 23-Jährigen ist es in der Mitte der Halle zu ruhig, er will weiter nach vorne. Da ist er nicht der Einzige. Als er einen kräftigen Mann anstößt, der ein kleines Mädchen auf den Schultern trägt, bekommt er böse Blicke und einen Seitenhieb. „Das ist ein Rockkonzert“, murmelt Tobias leise. Aber da wo er jetzt steht, bewegen sich die Leute schon mehr. „Habt ihr ordentlich gefeiert?“, fragt Gitarrist Farin Urlaub nach den ersten drei Songs, schließlich ist heute Herrentag. Die Menge grölt und schreit Ja. „Das ist gut. Je betrunkener ihr seid, desto besser werden wir und desto besser sehen wir aus“, scherzt Urlaub. Auch Tobias Schiele würde gern ein kaltes Bier trinken. „Die Luft ist wirklich schlecht, richtig stickig“, sagt er. Aber das Konzert geht vor. Selbst bei den neuen Songs vom Album „Auch“, das gerade mal vor einigen Wochen erschien können viele Fans jede Textzeile mitsingen. Bei dem Nummer-Eins-Hit „Unrockbar“ setzt sich die Hälfte des Publikums auf den Boden, auch wenn dafür eigentlich kein Platz ist. Einige Konzertbesucher schauen etwas verdutzt. Beim Refrain springt die Meute dann gemeinsam auf und ab. Die Halle bebt. „Das war geil“, sagt Tobias Schiele.
Schlagzeuger Bela B staunt nicht schlecht: „Hexenkessel Frankfurt Oder“, sagt er. Nach gut drei Stunden Musik und Unterhaltung suchen die 4000 Menschen den Weg aus der Halle. Das dauert seine Zeit. Mathias Becker ist nach dem Konzert begeistert. „Ich fand es super. Die Ärzte haben das Publikum ordentlich eingeheizt.“ Er würde gern häufiger zu Konzerten in Frankfurt gehen. „Ich hoffe nicht, dass es das letzte Mal war. Ich würde es begrüßen, andere Superstars hier zu sehen“, sagt der junge Mann. Das Fazit von Isabelle Raschke fällt hingegen geteilt aus. „Die Wohnzimmer-Atmosphäre fand ich richtig gut und auch die Band war wieder in Hochform. Doch die Akustik war schlecht. Der Gesang war teilweise kaum zu hören“, sagt sie. Wer nach dem Konzert mit dem Auto nach Hause wollte hatte es nicht ganz so einfach. „Es gab zwar Ordner, aber die haben nichts für einen fließenden Verkehr getan“, kritisiert Tobias Schiele, der eine halbe Stunde brauchte, um das Gelände zu verlassen. Marco Habeck empfand sowohl den Sound als auch die Organisation danach unzureichend. „Der öffentliche Nahverkehr hat versagt. Viele Auswärtige standen ahnungslos an der Haltestelle und dann kam auch noch ein völlig überfüllter Nachtbus.“
Dennoch mit dem Konzert waren die meisten Fans und Konzertbesucher zufrieden. „Das Konzert war schön“, sagt Marco Habeck. Sandra Dietrich