Für Christian Kuke ist touch & travel (wörtlich aus dem Englischen übersetzt: berühren und losfahren) ein Programm, mit dem Fahrgäste ohne große Komplikationen auf elektronischem Wege zum Fahrschein gelangen können. An der Haltestelle Brunnenplatz hält der Projektmanager der Stadtverkehrsgesellschaft (SVF) dafür sein Handy an einen blauen Aufkleber - und wenig später zeigt sich im Display ein Barcode, in dem alle Informationen stecken, die auch ein Fahrschein enthalten würde. Bei einer Kontrolle in Bus oder Straßenbahn könnte der Schaffner sie auslesen und so überprüfen, dass Christian Kuke bei seiner Fahrt durch Frankfurt nicht als Schwarzfahrer unterwegs ist. Die technischen Voraussetzungen hat er mit dem Herunterladen eines Programms, einer sogenannten App, auf seinem Mobiltelefon installiert (siehe Kasten). Missbrauch soll verhindert werden, indem die Anmeldung dafür nur mit einer Geheimzahl möglich ist.
Sein Weg führt ihn zuerst mit dem Bus zur Kopernikusstraße. Dort will Christian Kuke in die Straßenbahn steigen und weiter bis zur Haltestelle Zentrum fahren - zu Testzwecken, weil er sich als Projektmanager auch vergewissern muss, ob bei der SVF alles läuft in Sachen touch & travel. Gut ein Jahr hat er an der Vorbereitung mitgearbeitet und ist froh, dass das System mittlerweile im gesamten Tarifgebiet des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) verfügbar ist.
Auf seiner Fahrt durch die Stadt könnte Christian Kuke sein Handy auch Kontakt zu dem blauen Aufkleber an der Haltestelle Kopernikusstraße aufnehmen lassen, aber er muss es nicht. Wie der Einzelfahrschein aus Papier gelte auch der elektronische beim Umsteigen weiter, erklärt er. Das heißt, dass das Smartphone den Barcode auf dem Aufkleber scannt, wenn der Projektmanager an seinem Fahrtziel Brunnenplatz angelangt ist und sich so vorerst als Nutzer von Bus und Bahn abmeldet. Bezahlt wird ebenfalls auf elektronischem Wege: über eine Abbuchung vom Konto einmal pro Monat.
Das System kenne alle möglichen Verkehrsverbindungen, alle Haltestellen und arbeite mit Logikprüfungen, um den Weg des Fahrgastes nachzuvollziehen, berichtet Christian Kuke. Laut VBB ist es sogar möglich, dass Einzelfahrscheine von verschiedenen Orten im Verbundgebiet automatisch zu Tagestickets zusammengefasst werden, wenn es die Tarifbedingungen zulassen.
Nachdem die SVF Anfang Dezember die Haltestellen mit den Zugangvoraussetzung ausgerüstet hat, gebe es erste Nutzer - und der Projektmanager hofft, mehr Fahrgäste von der Praktikabilität des Systems überzeugen zu können.