Die Ankündigung der evangelischen Kirche, den Uhrschlag von St. Georg nach Jahrzehnten wieder in Betrieb zu nehmen, sorgt unter MOZ-Lesern für kontroverse Diskussionen - sowohl im Internet also auch in Leserbriefen. Die eine Seite gibt den Anwohnern recht, die sich in einem Protestbrief über den jetzt schon vorherrschenden Lärm der Glocken beschweren und befürchten, dass dieser unerträglich wird, wenn der Uhrschlag zum normalen Läuten hinzukommt. Die andere Seite sagt, der Klang von Kirchenglocken gehöre zu unserer Geschichte und Kultur.
Stellvertretend für die zweite Ansicht ist die Meinung von Sascha Rebbin aus Bernau, der das Frankfurter Problem nicht verstehen kann. "Was gibt es am warmen Klang einer Kirchenglocke auszusetzen? Ich denke nichts!", schreibt er und berichtet von den Erfahrungen in seiner Stadt. "Unsere Kirche läutet seit jeher viertelstündlich und es stört hier niemanden", erklärt er in Richtung der Uhrschlag-Gegner und gibt ihnen den Hinweis: "Machen Sie sich (...) nicht lächerlich und seien Sie stolz auf Ihre Kultur und lebendige Geschichte."
Sascha Rebbin verdeutlicht, dass es in Bezug auf Lärm weitaus schlimmere Dinge gebe, die man bemängeln könnte. "Es geht nicht um Baulärm, Fluglärm oder die Nähe einer Autobahn. Es geht um den Klang einer Kirchenglocke - eben keinen Lärm."
Auch Beatrix Forck kann die Aufregung nicht recht nachvollziehen. "Ich finde das kurios. Die Anwohner sind genervt, obwohl derzeit gar nichts zu hören ist", sagt die geschäftsführende Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Frankfurt (Oder)- Lebus. Darüber, in welchem Umfang der Stundenschlag zu hören sein wird, kündigt sie Gespräche im Gemeindebezirk an. Zu dem Einwand, das Uhrschlag-Läuten sei nicht zeitgemäß, gibt sie zu bedenken: "Was ist denn zeitgemäß? Etwa der Verkehrslärm, der noch in einer viel stärkeren Frequenz vorhanden ist?" Als der Uhrschlag am Karfreitag versehentlich regelmäßig zu hören war, hatte ein Anwohner die Pfarrerin früh am Morgen angerufen und ihr gedroht, er werde sie  nun im 15-Minuten-Takt anrufen. "Die Frage ist doch, was hören wir? Wenn jemand in dem Läuten die Kirche hört und das unangenehm findet, ist es seine Wahrnehmung", findet Beatrix Forck.
Nutzer "ABC" ist in seinem Kommentar bei moz.de der Ansicht, dass "viertelstündliches Läuten (...) nichts, aber auch gar nichts, mit der freien Religionsausübung oder den Wurzeln unserer Menschheit zu tun" hat. Und Peter Peries aus Frankfurt schreibt dort, dass Toleranz keine Einbahnstraße sei. Von den mehr als 5000 Gemeindemitgliedern, er sei selbst eines, gehe nur ein Bruchteil zur Kirche. "Wer mich jetzt Lügen strafen will, soll einfach mal am Wochenende in die Kirche gehen", sagt er. "Es handelt sich bei uns Christen um eine Minderheit, die Rücksicht und Toleranz erwartet, dies aber auch selbst ausüben sollte. Nirgends in der Bibel steht etwas von Kirchenglocken. Mission hängt nicht von regelmäßigem Uhrengeläut ab", findet er.
Soll der Uhrschlag der Kirche St. Georg tagsüber zu jeder Viertelstunde die Zeit verkünden? Die Meinungen dazu gehen auseinander.