Wolf-Dieter Hentschel ist seit 37 Jahren im Besitz des Führerscheins. Der in DDR-Zeiten Fahrerlaubnis hieß. Der „Führer“ war den Obrigen suspekt. „Ich arbeitete damals beim Frankfurter Wohnungs- und Gesellschaftsbaukombinat, kurz WGK genannt.“ Vom Baufahrzeug und WGK-Bus stieg er nach dem Mauerfall auf einen schweren Ferntransporter um, fuhr Richtung Süden. Bis nach Spanien. Eine Knochenarbeit. „Wenn du auf die 60 zugehst überlegst du dir genau, ob du auf dem Bock bleibst oder umsattelst. Seit eineinhalb Jahren bin ich bei Busreisen Homann angestellt.“ Und dieses Unternehmen, mittlerweile 
20 Jahre in Frankfurt zu Hause, arbeitet für die Stadtverkehrsgesellschaft (SVF). „In sehr guter Qualität“, wie SFV-Verkehrsleiter Fred Bernau bestätigt. Die Firma würde sämtliche Standards erfüllen und auch Nischen abdecken, so Fahrten in die Ortsteile.
Die Tür von Hentschels Nachtbus schließt sich. Nico Schädel, 20-jähriger Fliesenleger, ist erster Gast. Die 1,20 Euro für den Fahrschein bezahlt er gern. „Ich wohne in Nord. Das ist schon ein Stück Weg.“ Und Schwarzfahren komme bei ihm nicht in Frage. „40 Euro Strafe. Dieses Risiko sollte keiner eingehen.“
Quirlig und laut wird es, als der N 1 an den Lenné Passagen hält. Viadrina-Studenten steigen ein. Sie kommen von einer Sommerparty. Mit ihrem Semesterticket, das die Uni vor zehn Jahren eingeführt hat, können sie alle öffentlichen Verkehrsmittel – auch den Regionalexpress innerhalb des gesamten Verkehrsverbundes Berlin/Brandenburg – nutzen. Während die Bachelor-Studenten Hanna Napp und Christoph von Rüdiger eng umschlungen die hinteren Plätze bevorzugen, schwatzen ein paar Sitzreihen davor drei junge Frauen im lauten Spanisch. „Dieses Multi-Kulti bringt viel Farbe und Leben in die Stadt“, freut sich Nachtfahrer Wolf-Dieter Hentschel. Meist seien es Studenten, die Nachts gern bequem nach Hause wollen. „Morgens, so ab vier Uhr, steigen dann die ersten Dienstleister, Schichtarbeiter und Berlin-Fahrer ein. Eine Reinigungskraft ist auch dabei, die – glaub’ ich – in der Uni arbeitet. Alles nette, freundliche Leute“, so Nachtfahrer Hentschel. Ein paar Morgenmuffel wären natürlich auch mal dabei.
Zehn vor Zwei hat der Bus mit dem Kennzeichen FF-O 438 wieder den Bahnhof erreicht. Ein paar Nachtschwärmer warten schon. Sie wollen nach Süd – ab in die Federn.
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