Prof. Hans Richter fand klare Worte: „Wir brauchen Akteure, die in die Speichen greifen, die bei uns die Entwicklung vorantreiben, für den Aufbau einer modernen Region“, unterstrich der Vorstandsvorsitzende der Gesellschaft zur Förderung von Wissenschaft und Wirtschaft. Der Verein und die Transferstelle Viadrina hatten zu dem vierten  gemeinsamen Fachtag eingeladen. Die Veranstaltung soll der Universität und  Unternehmen ein gemeinsames Forum bieten. Als Thema drängte sich die Digitalisierung geradezu auf. Denn der Wandel hin zu einer vernetzten, automatisierten Welt ist nicht einfach bloß ein Wandel, sondern gilt vielen Fachleuten einhellig als Revolution, die unsere Arbeitswelt und den Alltag radikal verändern wird. Natürlich auch bei uns in der Region.
In einer Vielzahl von Vorträgen ging es im Logensaal um digitale Perspektiven für die Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung. Vertreter von Stadt und Telekom versicherten, dass die flächendeckende Breitbandversorgung in Frankfurt und damit die Infrastruktur nicht mehr lange auf sich warten lasse. Viadrina-Kanzler Niels Helle-Meyer sprach über Digitalisierungsprozesse in  Lehre und Forschung. Sein Kollege Politikwissenschaftler Jürgen Neyer ging später via Liveschaltung auf die künftige „European New School for Digital Studies“ ein; das Projekt mit der Uni Poznan nimmt die gesellschaftlichen Folgen der Digitalisierung in den Blick. Zu den Lehrenden des Studiengangs könnten dann durchaus auch Georg Stadtmann, Lorenz Pöllmann, Achim Koberstein oder Denise Gelleszun-Koschke gehören. Letztere stellte das Legal-Tech-Center der Viadrina vor – es arbeitet daran, Recht effektiver und transparenter zu machen. Als Beispiel nannte sie Programme zum Erstellen rechtssicherer Arbeitsverträge. Georg Stadtmann erklärte das in Dänemark weit verbreitete mobile Bezahlsystem mobilpay; vergleichbares hat sich bei uns bisher nicht durchgesetzt. Lorenz Pöllmann sprach über digitale Konzepte für Kulturbetriebe wie das Staatsorchester. Er sagt: vielen Einrichtungen fehle es bisher an einer Digitalstrategie.
Till Meyer von der Wirtschaftsförderung des Landes umriss, was sich Brandenburger Unternehmen von der Digitalisierung versprechen und vor welchen Herausforderungen sie stehen. Das Ergebnis einer Befragung zeige: ein Großteil sehe den technologischen Wandel durchaus als Chance, um Arbeitsabläufe, Dienstleistungen oder Produkte zu verbessern oder kosteneffizienter zu arbeiten. Hinten an aber stehe bei vielen noch die Erschließung neuer Märkte und Geschäftsmodelle. Gute Praxisbeispiele wie das Virtual Reality-Filmstudio Babelsberg oder das Smart Village Bad Belzig gebe es noch zu wenige. Till Meyer warb hier für das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum in Cottbus, dem auch das IHP-Leibniz Institut für innovative Mikroelektronik als Partner angehört: es schult und berät kleine und mittelständische Unternehmen zu digitalen Themen wie IT-Sicherheit. Und ermutigt dazu, „Dinge neu und anders zu machen, branchenübergreifend in neuen Zusammenhängen zu denken“.
So wie David Schaffranke. Der Jungunternehmer gründete Branding Doctors. Das Frankfurter Startup unterstützt Unternehmen bei ihrer digitalen Strategie. Denn, so David Schaffranke beim Fachtag: „Digitalisierung ist viel mehr als eine Webseite“. Darüber ist man sich auch bei der Rhön-Gruppe bewusst, zu der das Frankfurter Klinikum gehört. Tobias Müller, Leiter der Stabsstelle digitale Transformation im Konzern, und seine Kollegen beschäftigen sich mit Anamnese per Tablett, Telemedizin, Patientenapps oder der Digitalisierung von Krankenakten. Das soll Kosten senken aber auch die Versorgung verbessern. Er findet: „Wir sollten die Chancen nutzen, die uns die Technologien bieten.“