"Wer das nicht ertragen kann, schaut lieber weg", riet Dr. Kerstin Lohse den im Hörsaal des Gauß-Gymnasiums versammelten Achtklässlern, bevor sie die Fotos auf die Leinwand projizierte. Fotos von Brandverletzten. Alle Patienten, die die Ärztin behandelt und deren Einverständnis zur Arbeit mit den Bildern sie hat. Dr. Kerstin Lohse, Chefärztin der Klinik für Kinderchirurgie am Klinikum Frankfurt, war am Freitag zu einer Informationsveranstaltung ins Gauß-Gymnasium gekommen. Anlass war der heutige bundesweite "Tag des brandverletzten Kindes".

Brandwundenfotos schockieren

Die Chirurgin behandelt seit 30 Jahren Kinder mit solchen Verletzungen. In dieser Woche erst sei ein dreijähriger Junge in ihre Klinik gebracht worden, der schwere Verbrühungen erlitten hat: Er hatte den Topf, in dem seine Mutter Nudeln kochte, vom Herd herunter gezogen.
Die Fotos der Brandwunden, die sich von ihr behandelte Kinder zugezogen haben, sahen alles andere als gut aus: rote, weiße oder grau-gelbe Hautpartien, Brandblasen und später diverse Narben. Kurz ging die Kinderärztin auf die drei Stufen ein, in die man Verbrennungen im Wesentlichen unterteilt. Zu den leichteren gehören Sonnenbrände.
Mit der Bemerkung "Verbrennungen, die von Knallkörpern und anderer Pyrotechnik verursacht werden, sind faktisch immer Verbrennungen dritten Grades", leitete die Ärztin zum wichtigsten Punkt der Veranstaltung über. Die war, in jugendgemäßer Sprache, "verknallt an Silvester" überschrieben.
In Zeiten, da sich Schüler in Fridays-for-Future-Demonstrationen für den Klimaschutz engagieren, gehe sie zwar davon aus, dass "angesichts der fürchterlichen CO²-Bilanz von Pyrotechnik keiner von euch mehr knallt", sagte Dr. Lohse – und löste ein großes Gemurmel unter den Schülern aus. Auf die Frage, wer aufs Böllern verzichte, meldeten sich immerhin einige.
Mit der Bemerkung "für mich ist der Neujahrstag fast noch schlimmer" und dem Verweis auf die gefährlichen Blindgänger übergab die in Hohenwalde lebende Chefärztin an Andreas Junk. Er ist der Wehrführer  der Freiwilligen Feuerwehr im Frankfurter Ortsteil.

Ohrenbetäubende Explosion

Nach grundlegenden Verhaltensregeln zum Kauf (niemals ohne BAM-Prüf- und CE-Kennzeichen, nicht aus dem Ausland einführen) und Umgang mit Pyrotechnik (nicht noch einmal anzünden, Sicherheitsabstand halten, Blindgänger in Wassereimer, nicht in geschlossene Behälter entsorgen), ging es zur Demonstration auf den Schulhof.
Dort sahen und hörten die Achtklässler, was Andreas Junk meinte, als er eindringlich vor den "Polenböllern" warnte, die fast die halbe Sprengkraft von TNT hätten: Im Vergleich zur "flotten Biene" und dem Böller aus deutscher Produktion dröhnte der nicht viel größere Böller aus polnischer Produktion, den der Bundespolizist mitgebracht hatte, ohrenbetäubend. Der Turnschuh, in dem er gezündet wurde, war zerfetzt.
Wie Verletzungen durch einen in der Hosentasche explodierten Böller oder eine, die man sich beim Eigenbau von Knallkörpern zuzieht, aussehen, das hatten die Schüler zuvor auf Fotos zu sehen bekommen.